Fachtagung „Gesundheitskompetenz in der kommunalen Gesundheitsförderung - Das Wechselspiel zwischen individuellen Fähigkeiten und der Gestaltung von Lebenswelten“

Fachtagung „Gesundheitskompetenz in der kommunalen Gesundheitsförderung - Das Wechselspiel zwischen individuellen Fähigkeiten und der Gestaltung von Lebenswelten“

Das Netzwerk Gesunde Städte in Leonding am 16./17. März 2017

Netzwerk Gesunde Städte Österreichs, Koordinator Mag. Gernot Antes, MPH

Die Stadt Leonding war Gastgeber des Netzwerktreffens der Gesunden Städte. Bei sonnigem Frühlingswetter fanden sich am 16. März 2017 über 20 Delegierte aus 10 Städten und dem Städtebund zur 69. Ausschusssitzung des Netzwerks Gesunde Städte. Wie immer bildete der fachliche Austausch unter den Mitgliedsstädten einen wichtigen Programmpunkt. Weiter waren die Aktivitäten anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Netzwerks und die Planung eines Projekt zur Förderung der aktiven Mobilität von Jugendlichen Gegenstand der Beratungen. 

„Gesundheitskompetenz in der kommunalen Gesundheitsförderung“ war Thema der Fachtagung des Netzwerks Gesunde Städte am 17. März in Leonding.

Den ersten Vortrag der Fachtagung hält Dr. Peter Nowak von der Gesundheit Österreich GmbH. Er ist auch als Vertreter der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz, und erklärt den Begriff der Gesundheitskompetenz und wie sie gemessen wird. Gesundheitskompetenz hat seine Wurzeln in der allgemeinen Bildung. Sie „umfasst das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden“. Gesundheitsinformation zu finden, zu verstehen, beurteilen zu können und anzwenden ist in allen Bereichen der Gesundhiet von Bedeutung – für Gesundheitsförderung, Prävention und Krankenversorgung. Es gibt dem entsprechend einen klaren Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und der Gesundheit  bzw. dem gesundheitsrelevanten Verhalten von Personen.

Das Wechselspiel zwischen individuellen Fähigkeiten und der Gestaltung von Lebenswelten

Zur Gesundheitskompetenz gibt es immer eine persönliche Komponente – also die individuelle Motivation und die Fähigkeit – und eine System- oder Umweltkomponente, die auf die Anforderungen eingeht, mit denen ein Individuum konfrontiert wird. Dementsprechend können zur Förderung der Gesundheitskompetenz Menschen individuell unterstützt werden (z.B. durch Schulungen) oder Umgebungsbedingungen (Lebenswelten) so gestaltet, dass es Menschen leicht fällt Gesundheitsinformationen und -dienste gezielt zu verstehen und zu benutzen, um auf ihre Gesundheit zu achten.“

Im Internationalen Vergleich schneidet Österreich zur Gesundheitskompetenz leider unterdurchschnittlich ab und aus diesem Grund wurde eines der zehn Gesundheitsziele auf Bundesebene der Gesundheitskompetenz gewidmet und die Österreichische Plattform Gesundheitskomptenz (http://oepgk.at
) ins Leben gerufen. Abschließend präsentierte Dr. Nowak 11 Kriterien, an denen sich „gesundheitskompetente Stadt“ bei seiner Weiterentwicklung als Lebenswelt orientieren kann.

„Gesundheitskompetente Jugendarbeit“ als Beispiel für die Entwicklung von gesundheitskompetenten Lebenswelten in der Praxis

Als Beispiel, wie das Konzept der Gesundheitskompetenz auf bestimmt Lebenswelten übertragen werden kann, stellet Mag.a Daniela Kern-Stoiber, Geschäftsführerin von bOJA -Bundesweites Netzwerk Offene Jugendarbeit, den Leitfaden „ Die gesundheitskompetente Offene Jugendarbeit“ vor (erhältlich auf www.boja.at). Die unterschiedlichen Aspekte, die zur Gesundheitskompetenz relevant sind, wurden in vielen Arbeitstreffen mit Aktreuren der offenen Jugendarbeit durchgearbeitet und fürihr berufsfeld anwendbar aufbereitet. Bei ihren Ausführungen wurde klar, dass auch (oder vielleicht vor allem) der Prozess der Leitfadenerstellung schon viel bewirkt hat.

Im Anschluss daran beschrieb Klaus Ritzer, Geschäftsführer des Vereins Komm!unity und Leiter des Jugendzentrums in Wörgl, wie die Anwendung des Leitfadens im Jugendzentrum in Wögl vor sich ging und was dieser Prozess verändert hat. Der Blick wurde dabei nicht nur auf die Jugendlichen und die Angebote an sie gerichtet, sondern auch auf die Organisation, das Team und die Gegebenheiten des Jugendzentrums als Arbeitsplatz, denn „ein gesundes Jugendzentrum baucht auch gesunde MitarbeiterInnen“. Die Liste der Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten war sehr lang und vieles wurde ausprobiert. Dabei wurde klar, dass es sich beim Bemühen, ein „Gesundes Jugendzentrum“ zu sein, nicht um ein absehbares Projekt handelt, sonder um einen andauernden Prozess, der über die Zeit die Organisation, die Angebote und die Strukturen des  Jugendzentrums formt.

Nachdem im gesundheitsfördernden Jugendzentrum die Gestaltung einer Lebenswelt im Mittelpunkt stand, referierte Mag. Werner Bencic MPH von der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse und Koordinator des Projekts „Gesundheitskompetenz-Coaching in der Sozialversicherung“ über Möglichkeiten, an der individuellen Gesundheitskompetenz anzusetzen. Als Einstieg zeigte ein Kurzvideo, das das Thema auf den Punkt bringen (das Video ist auf https://oepgk.at/wissenscenter/videos/zu sehen). Er stellte das Projekt „Gesundheitskompetenz-Coaching in Einrichtungen der Sozialversicherung“ vor. Dabei erhalten Patientinnen und Patienten, die sich aus unterschiedlichen Gründen in einer Einrichtung der Sozialversicherung aufhalten (z.B. auf Kur oder auf Rehabilitation) ein Gruppen-Coaching, in dem ihre Gesundheitkompetenz verbessert werden soll.

Motivation ist der entscheidende Faktor

Mag. Bencis betonte, dass die Motivation der Betroffenen für die Entwicklung zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil und zu erfolgreichem Management von Krankheiten von zentraler Bedeutung ist. Deshalb steht die Motivation auch im Mittelpunkt des Coachings. Fragen, die im Coaching behandelt werden, sind zum Beispiel „was mache ich, wenn ich etwas nicht verstehe?“ oder „wie bekomme ich Antworten auf meine Fragen?“. Sie sind sehr lebensnahe und für den PatientInnenalltag relevant. Aber auch die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen im Internet zu bewerten wird vermittelt. 

In der abschließenden Diskussion ging es darum, was eine „Gesundheitskompetente Stadt“ ausmachen würde. Dabei wurde klar, dass das Bemühen um eine Gesundheitsförderliche Stadt starke Überschneidungen mit Gesundheitskompetenz hat. Beide sind jedenfalls von hoher Komplexität und nur ressortübergreifend handhabbar.

Beim nächste Netzwerktreffen am 9. und 10 November 2017 wird das Konzept der „Fittest City“ in St. Pölten Gesundheitskompetenz das Thema der Fachtagung sein. 

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