Arbeitskreis 3 „Die älter werdende Stadt – seniorengerechte Städte schaffen“ Teil 2
Arbeitskreis 3 „Die älter werdende Stadt – seniorengerechte Städte schaffen“ Teil 2
Von Caritas, Hilfswerk und Volkshilfe wurden 2005 insgesamt 28.793 Einsatzstunden geleistet. Durchschnittlich wurden 181 Personen pro Monat betreut. Die meisten wurden zusätzlich auch von ihren Familienangehörigen umsorgt. Nur wenige sind völlig alleinstehend. Bei uns ist also noch die Eingebundenheit der Pflegebedürftigen in die Familie gegeben.
Selbstverständlich werden diese Dienste auch von der Stadt gefördert. Die Förderung im Jahr 2005 betrug 51.700 Euro.
‚Essen auf Rädern‘ wird seit mehr als 30 Jahren von der Pfarre St. Martin organisiert. Die Speisen werden in der Krankenhausküche zubereitet und von Freiwilligen zugestellt. Täglich werden 120 bis 150 Portionen von frisch gekochtem Essen ausgeliefert.
Im Haus Klosterneuburg der Caritas Wien wurde 2003 ein geriatrisches Tageszentrum eingerichtet. Derzeit werden fünf externe und 18 interne Personen betreut. Es ist erstaunlich, dass diese so oft geforderte Einrichtung von externen Personen so wenig angenommen wird. Die Leiterin des Tageszentrums vermutet, dass noch eine gewisse Schwellenangst herrscht. Die Leute glaubten, wenn sie dort einmal hineingingen, müssten sie auf ewig im Pflegeheim bleiben. Diese Einstellung gilt es auch durch Werbung zu ändern.
Ein zweiter Punkt sind sicher die Transportmöglichkeiten. Klosterneuburg ist in Täler geteilt: das Donautal, das Weidlingtal, das Kierlingtal, und es ist auch sehr schwierig, von den höher gelegenen Siedlungen in dieses Heim zu kommen. Es wird wahrscheinlich ein Fahrtendienst hilfreich sein.
Dieses Tageszentrum ist von der Stadtgemeinde in den letzten Jahren mit insgesamt 30.000 Euro unterstützt worden.
Dann gibt es noch den Hospizverein St. Martin, der Schwerkranke in ihrer letzten Lebensphase betreut.
Aber neben diesen professionellen Einrichtungen blüht erfreulicherweise auch die echte, unentgeltliche Nachbarschaftshilfe in unserer Stadt, sowohl in Form privater Initiative als auch durch Mitglieder unserer zahlreichen Pensionistenvereine. Personen, die sich auf diesem Gebiet durch besonderes Engagement auszeichnen, werden im Herbst bei der Festsitzung des Gemeinderates geehrt.
Mitglieder von Pensionistenvereinen und Rotem Kreuz organisieren auch Jausen und Ausflüge für alte und einsame Menschen, die sonst kaum aus ihrer Wohnung hinauskommen. In den Pfarren sind Gruppen organisiert, die einsame Menschen in den Heimen besuchen.
Für die Vernetzung all dieser sozialen Organisationen gibt es in Klosterneuburg einen Sozialbeirat, der zwei- bis dreimal im Jahr tagt, damit die Zusammenarbeit gefördert werden kann.
In unserer Stadt – wir haben von den aktiven Senioren gehört – fällt aber auf, dass die sogenannten aktiven Senioren in zwei Gruppen zerfallen: Die einen sind in der Gesellschaft, im sozialen Bereich engagiert, andere hingegen sind kaum auffindbar. Das ist wahrscheinlich jene Gruppe, die selbst noch sehr viel allein unternehmen möchte. Sie ist auch im öffentlichen Leben, bei Veranstaltungen kaum anzutreffen.
Was ich vermehrt bemerkt habe, ist, dass in meinem Bekanntenkreis aktive Senioren die Idee aufgegriffen haben, ihre Erfahrungen aus einem langen Berufsleben an andere weiterzugeben. Sie sind ein Teil unserer neuen Selbständigen. Sie haben Beratungsfirmen gegründet und sind dabei, die Erfahrungen aus ihrem Berufsleben professionell an Jüngere weiterzugeben.
Von den sozial engagierten Personen sind 822 in Pensionistenvereinen organisiert.
Aktive Senioren haben auch wieder mehr Zeit fürs Lernen. Da kommen ihnen die attraktiven Kurse der Volkshochschule entgegen. 800 bis 900 Senioren pro Kursjahr besuchen diese Kurse. Beliebt sind selbstverständlich Sprachen, Gesundheit und Bewegung und EDV-Kurse für Senioren.
Die Stadtgemeinde hat auch noch ein Angebot für Senioren ab 60. Seit vielen Jahren werden Tagesausflüge für Senioren zu interessanten Stätten in ganz Österreich oder zumindest in die nächste Umgebung organisiert. 910 Personen nehmen pro Jahr an diesen Ausflügen teil. Das kostet die Senioren gar nichts, die Stadt kosten diese Ausflüge insgesamt 36.000 Euro.
Eine weitere Aktion für Mindestpensionisten ist ab heuer geplant. Im Rahmen der Aktion ‚Hunger auf Kunst und Kultur‘ planen wir, einen Kulturpass für Mindestpensionisten einzuführen, damit sie mit diesem Pass kulturelle Veranstaltungen der Stadt gratis besuchen können. Das Potenzial liegt bei ungefähr 360 Personen, die im Vorjahr Ausgleichszulagenbezieher waren.
Für Senioren ist auch die Nahversorgung wichtig. Nach vielen Jahren des Greißlersterbens haben sich jetzt viele Supermarktketten mit ihren Filialen in Klosterneuburg etabliert, sodass die Nahversorgung wieder gesichert oder zumindest verbessert ist. Manche bieten sogar Hauszustellung an. Im Stadtzentrum gibt es diverse kleinere Geschäfte, größere sind im vor 20 Jahren neu geschaffenen Betriebsgebiet Schüttau angesiedelt.
Auf dem Gebiet des öffentlichen Verkehrs wurden in Klosterneuburg ein Stadtbus und das Anruf-Sammeltaxi initiiert. Ich glaube, das ist keine neue Einführung, das kennen Sie sicher auch. Der Stadtbus verkehrt täglich von 7 bis 19 Uhr und an Samstagen bis 12 Uhr, das Anruf-Sammeltaxi von 19 bis 1 Uhr.
Wie ich schon angesprochen habe, wird für Klosterneuburg aufgrund der Volkszählung 2001 eine positive Veränderung im Generationenverhältnis erwartet.
Die Stadt plant, die ehemaligen Kasernengründe zwischen Donau und Franz-Josefs-Bahn anzukaufen und dort weitere Betriebe anzusiedeln. Dadurch können weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, und es werden auch Arbeitsplätze rund um die universitäre Forschungsstätte in Maria Gugging entstehen. Es wird dadurch einen Zuzug von Erwerbstätigen geben, die sich wahrscheinlich teilweise in Klosterneuburg niederlassen werden. Aufgrund des Stadtentwicklungsplans – maximal 35.000 Einwohner – soll da eine entsprechende Regelung getroffen werden.
Es gilt, diese günstige Entwicklung des Zuzugs von jungen Leuten und der Schaffung von Arbeitsplätzen für die Stadt bestmöglich zu nützen. Es wird neben der Seniorenpolitik sicher auch die Familienpolitik ein weiterer Schwerpunkt sein. Man kann das ja nicht getrennt sehen, denn was man heute für die Kinder tut und investiert, das kommt in 20 Jahren auch den Senioren zugute.
Im Bereich der Pflegeheime erwartet man aufgrund der Studien im Raum Wien-Umgebung weniger Zunahme an Bedarf. Diese Tendenz gilt auch für Klosterneuburg. Viel wichtiger wird Betreutes Wohnen sein. Das ist ein Modell, das jetzt schon sehr oft im Gespräch ist und in einigen Gemeinden auch schon verwirklicht wurde. Besonders in den höher gelegenen Siedlungen in Klosterneuburg wie an den Hängen des Ölbergs, Buchbergs oder Leopoldsbergs wird man solche Wohnungen in Anspruch nehmen wollen, weil im Alter die Mobilität nachlässt, auch die Nahversorgung in diesen Gegenden nicht so gut ist und die älteren Leute dann im Zentrum wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.
Natürlich ist auch der Umbau der eigenen Wohnung auf seniorengerechte Einrichtung erwünscht und sollte daher gefördert werden. Die Nachfrage nach mobilen Diensten, haben wir gehört, wird auch steigen, und auch die Rund-um-die-Uhr-Betreuung wird öfter verlangt. Da wird eine gesetzliche Regelung dringend notwendig sein.
Vereine, die zusätzliche Leistungen zur Unterstützung der Pflege anbieten, wie Sterbebegleitung, Besuchsdienste und anderes, sollten ebenfalls gefördert werden, da hier hauptsächlich ehrenamtlich gearbeitet wird und die Ehrenamtlichen dennoch eine gewisse professionelle Unterstützung brauchen.
Was den öffentlichen Verkehr angeht, wird auf lange Sicht die Erweiterung des Streckennetzes für Stadtbus und Anruf-Sammeltaxi notwendig sein.
Zusammenfassend sei gesagt, in Klosterneuburg ist durch die Eigeninitiative der Stadt und in Zusammenarbeit mit den vielen in sozialen Organisationen engagierten Menschen eine solide Basis für die Seniorenpolitik von morgen gelegt worden. Doch die Gemeinden allein werden die erhöhten finanziellen Belastungen durch die Überalterung der Gesellschaft nicht tragen können. Fachleute erwarten sich, wie wir gehört haben, von der Erhöhung des Pflegegeldes, also von der Einführung einer verpflichtenden Pflegeversicherung ähnlich der Sozialversicherung eine effiziente Lösung des Finanzierungsproblems der Pflege. Die Förderung der Gesundheitsvorsorge soll zusätzlich die medizinischen Kosten senken.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, finanzielle Unterstützungen für Familien mit Kindern, Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, gesetzliche Regelungen für alternative Pflege- und Betreuungsformen, Förderung von seniorengerechtem Wohnbau sind Anforderungen, denen sich die Politik stellen muss. Die Verantwortung für das eigene Leben aber kann man keinem anderen übertragen. Diese Verantwortung muss jeder für sich selbst übernehmen. Vor allem für die aktive Phase des Lebens nach dem Beruf sollte man einen Plan für das Leben machen, denn wir alle wissen heute genug darüber, was uns im Alter erwarten kann.“