Fachausschuss für Statistik - Empfehlung der Europäischen Kommission über gemeinsame Standards statistischer Stellen

Fachausschuss für Statistik - Empfehlung der Europäischen Kommission über gemeinsame Standards statistischer Stellen

Unter dem Vorsitz von Andreas Weigl (Wien) und Erhard Vallant (Klagenfurt) fand die 109. Sitzung des Fachausschusses für Statistik am 17. und 18. Mai 2006 im Rathaus in Wiener Neustadt statt. Nach der Begrüßung durch Vizebürgermeister Wolfgang Trofer referierte Andreas Weigl über eine Empfehlung der EU-Kommission vom 25. Mai 2005 (KOM 217/2005) zur Unabhängigkeit, Integrität und Rechenschaftspflicht der statistischen Stellen der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaft. Diese Empfehlung bezieht sich auf die Anwendung eines Verhaltenskodex (mit 15 Grundsätzen), der sich an jene Stellen, die amtliche Statistiken innerhalb des Europäischen Statistischen Systems (ESS) erstellen, wendet. Die Einhaltung dieses Kodex wird über ein Berichtssystem der EU – Kommission überwacht. Die Grundsätze der Empfehlung betreffen unter anderem wissenschaftliche Unabhängigkeit, Verpflichtung zur Qualität, statistische Geheimhaltung, solide Methodik, Wirtschaftlichkeit und Relevanz.

Einsparungsmöglichkeiten bei der Planung von Sozialeinrichtungen durch kleinräumige Prognosen aufgrund der demographischen Entwicklung
Dietmar Bartl (Linz) berichtete, dass in der Stadt Linz für Kindergärten, Seniorenheime und Schulen alle zwei Jahre kleinräumige Prognosen für drei Jahre in die Zukunft erstellt werden. Das Planungsumfeld betrifft neben der Stadt Linz auch private Anbieter bzw. Bund und Land. Linz ist in 14 Planungsgebiete gegliedert, ein wesentliches Planungselement ist die Ermittlung der Bedarfsstrukturen. Bei der Prognosemethode kommen mehrere Faktoren zum Tragen wie etwa die Analyse der Bewohnerstrukturen, die Ermittlung der innerstädtischen Migrationsmatrix, die Erfassung der Bauvorhaben, Besiedlungsszenarien, die Erarbeitung der Bewohnerprofile sowie die Verbindung mit der herkömmlichen Prognose. Eine Nutzenanalyse hat ergeben, dass bereits rund
20 Millionen Euro an „Fehlinvestitionen“ eingespart werden konnten. Beispielsweise wurden Mehrzweckgebäude errichtet, die bei Bedarfsänderungen für unterschiedliche Nutzungen (Schulen, Kindergärten etc.) verwendet werden können.

Proberegisterzählung rückt näher – vieles noch offen
Der zweite Tagungstag stand einmal mehr ganz im Zeichen der bevorstehenden Proberegisterzählung bzw. der notwendigen Koordination funktionstüchtiger Register. Seitens der Städtevertreter wurde dabei bemängelt, dass nach wie vor viele wesentliche Punkte noch offen sind. Hannes Kirschner (Wien) betonte, dass vor allem der Zeitpunkt der Erfassung ein großes Problem darstellt, da bei Erteilung der Baubewilligung oftmals die Adresse noch nicht bekannt ist (der Prozentsatz der nicht realisierten Gebäude liegt bei ca. 30%). Weitere Probleme bestehen aus seiner Sicht mit der GWR – Applikation, der Datenqualität aus der Erstbefüllung sowie der Tür(Top)nummernqualität. Bei der Stadt Wien wurde ein eigenes (achtköpfiges) GWR – Team gegründet sowie die Entwicklung einer „GWR–Wien“–Datenbank mit XML-Schnittstelle zum GWR begonnen. Ziel ist, dass im Herbst 2006 die Daten von
GWR–Wien via XML ins GWR übergeleitet werden.

Günter Koren (Klagenfurt) berichtete, dass vor allem die falsche oder fehlende Geocodierung, falsche oder fehlende Gebäudedaten sowie falsche oder fehlende Daten zu Nutzungseinheiten Probleme verursachen. Weitere Schwierigkeiten bereitet die Nacherfassung von Gebäudedaten, die sich durch fehlerhafte Annahmen bei der Erstbefüllung noch verschärfen. Zur Erfassung von neuen Bauvorhaben wurde von der Stadt Klagenfurt ein eigenes Formular entwickelt, welches vom Antragssteller auszufüllen ist. Problem dabei ist, dass keine gesetzliche Verpflichtung zum Ausfüllen besteht. Er appellierte daran, die Optimierung der Applikation (Verbesserung der Funktionalität) rasch umzusetzen, die rechtlichen Grundlagen für die Datenqualität zu verbessern sowie ein Konzept zur Datenqualitätssteigerung gemeinsam zu erarbeiten.

Die nächste Sitzung des Fachausschusses für Statistik findet im Herbst 2006 in Klagenfurt statt.

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