FIT tagte in Krems – E-Government und die Auswirkungen auf die Städte
FIT tagte in Krems – E-Government und die Auswirkungen auf die Städte
Am 20. und 21. November 2003 fand in Krems unter dem Vorsitz von Dipl.-Ing. Eberhart BINDER, Wien, die 54. Sitzung des Fachausschusses für Informationstechnologie statt.
Begrüßung
Die Anwesenden EDV-Leiter der Städte wurden vom Magistratsdirektor der Stadt Krems, Dr. Bernd POYSSL, und dem Vorsitzenden der Donau-Universität Krems, Prof. Dr. Johann GÜNTER, in den Räumlichkeiten der Donau-Universität begrüßt.
Aktuelles aus E-Government Arbeitsgruppen
Dipl.-Ing. Hans MITTHEISZ, Wien, gab – wie bereits am 9. Oktober 2003 im Rahmen der E-Government Fachtagung – einen Überblick über die Organisation der E-Government Arbeitsgruppen sowie die wichtigsten Projektvorhaben des E-Government Masterplans. Geplant ist, bei den kommunalrelevanten Projekten, die in den Masterplan aufgenommen wurden, nicht nur kompetent mitzuarbeiten, sondern für die Gestaltung dieser Projekte auch die Erfahrungen der Städte einzubringen. Neu ist, dass sich neben den Gebietskörperschaften auch der Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Projekte des Masterplans, die für die gesamte Verwaltung von Bedeutung sind, eingebracht hat. Alle wichtigen Dokumente der Arbeitsgruppen sind
· beim Chief Information Office (CIO) unter der Internetadresse www.cio.gv.at/e-gov-austria/initiativen/plattform/workmeetings/
(User: egov; Passwort: egov21)
· am Reference-Server der Bund-Länder-Gemeinden-Arbeitsgruppe unter der Internetadresse reference.e-government.gv.at sowie
· im Rahmen der Internetpräsentation des Österreichischen Städtebundes unter der Adresse www.staedtebund.at/de/egov verfügbar.
E-Government Gesetz
Dr. Wilfried CONNERT, Tirol, erläuterte den Stand des E-Government Gesetzes. Ziel sei es, die Identifikation (= Nämlichkeit einer Person unverwechselbar) und die Authentifikation (= Nachricht/Zugriff stammt von der angegebenen Person) sicherzustellen. Damit soll die elektronische Kommunikation der Bürger mit der Verwaltung bzw. der Verwaltungen untereinander auf rechtlich gesicherte Basis gestellt werden. Im Bereich der Zustellung ist geplant, dass sich eine Partei bei einem Zustellservice registrieren kann und sodann auf elektronischem Wege eine Verständigung erhält, dass seitens einer Behörde eine Erledigung zum Abholen bereit liegt. Sofern nach der ersten elektronischen Verständigung bzw. einer zweiten elektronischen Verständigung 48 Stunden nach der ersten kein Zugriff auf die Erledigung der Behörde erfolgt, wird per Post nach weiteren 24 Stunden eine solche Verständigung zugestellt. Die Einrichtung dieses Zustellservice soll im Laufe des Jahres 2004 umgesetzt werden.
ZMR 2 – Bedeutung für E-Government, Auswirkungen auf Städte
Dr. Oswald KESSLER, BMI, berichtete von dem Vorhaben, die Meldedaten von den Personendaten im ZMR zu trennen. Erforderlich ist dafür, eine offizielle Gebäudeadresse im Rahmen eines Gebäude- und Wohnungsregisters bzw. eines Adressregisters zu erstellen, um Personen an diesen Adressen melden zu können. Weiters ist eine Ergänzung des ZMR um ein Register für "Auslandsösterreicher" sowie Standarddokumentenregister vorgesehen, um einerseits auch nicht in Österreich gemeldeten Staatsbürgern den elektronischen Zugang zu österreichischen Behörden zu ermöglichen und andererseits die Daten von Urkunden (z.B. Geburtsurkunde, Staatsbürgerschaftsnachweis) elektronisch geprüft bzw. aktualisiert zu hinterlegen.
Gebäude- und Wohnungsregister
Dipl.-Ing. Hans Mittheisz, Wien, berichtete über den aktuellen Stand des Gebäude- und Wohnungsregisters. Dementsprechend hat eine Gemeinde eine Verpflichtung, Daten für Meldefähigkeiten eines Gebäudes zu liefern. Das GWR, das ZMR sowie die Grundstücksdatenbank GDB werden daraufhin referenzieren. Derzeit fehlt allerdings noch die Nutzungsart des Gebäudes, die ausschlaggebend für eine Bewohnbarkeit und somit Meldefähigkeit ist. Geplant ist, im 2. Quartal 2004 den Probebetrieb des GWR-Online für 2 Monate laufen zu lassen, wobei die Großzählung 2001 Basisdaten liefern wird. Änderungen, die im Probebetrieb eingegeben werden, bleiben für den Echtbetrieb des GWR erhalten. Mit 1. 6. 2004 soll das GWR-Online produktiv gehen, wobei das Adressregister ein Teil des GWR sein wird.
XML-Schnittstellen
Dipl.-Ing. Manfred WUNDARA, Villach, berichtete, dass im Rahmen des Fachausschusses für Informationstechnologie Entwicklungsteams für die standardisierten XML-Strukturen für einzelne Verfahrensbereiche erstellt und den übrigen Gebietskörperschaften zur Verfügung gestellt werden sollen. Dies wurde auch in einem Masterplan-Projekt „XML-Struktur für Bescheide“ definiert. Als Plattform für die XML-Schnittstellen soll der Reference-Server der Bund-Länder-Gemeinden-Arbeitsgruppe dienen, wo sodann sämtliche Schnittstellendefinitionen für E-Government Anwendungen zur Verfügung stehen werden.
Identifizierung und Authentifizierung mittels MOA-Modulen
Dipl.-Ing. Arno HOLLOSI, CIO, berichtete über die vom Chief Information Office des Bundes erstellten Module für Online-Applikationen (MOA). Diese Module dienen als Basiswerkzeuge für Signatur– und Bürgerkartenhandhabung auf der Behördenseite. Diese Software, die innerhalb der Verwaltung kostenfrei zur Verfügung steht, kann selbst oder durch Dienstleister im Rahmen der vorhandenen Serverlandschaft eingesetzt werden, verlangt allerdings Spezialwissen.
Zusammenarbeit mit dem CIO – Erfahrungsbericht aus der Stadt Salzburg
Ing. MATTISCHEK berichtete, dass bei der Implementierung der Bürgerkarte ein hoher Installationsaufwand und somit hohe Kosten anfallen, während bei der geplanten Bürgerkarte light mit der Verwendung eines Handys höhere Erfolgsaussichten erwartet werden. Die Ursache für den hohen Installations- und Kostenaufwand liegt primär bei der Implementierung der Kartenlesegeräte, die massive Hard- und Softwareprobleme verursachen. Auch die Installation der vom CIO erstellen MOA-Module wäre ohne Unterstützung des CIO nicht möglich gewesen. Folge ist, dass eine Identifizierung mittels User-ID und Passwort weiterhin verwendet und nur alternativ und erst Zug um Zug die Bürgerkarte bzw. Bürgerkarte light angeboten wird. Interessant ist, dass die BITS (Bundesrechenzentrum IT Solution GmbH, eine 100% Tochter der BRZ-G) einen zentralen Betrieb der MOA-Module, der über Internet erreichbar ist, anbieten wird. Derzeit werden Projektpartner für einen Testbetrieb gesucht.
Vorstellung der Donau-Universität Krems
Mag. Peter PARYCEK, der Lehrgangsleiter E-Government, stellte die Donau-Universität Krems kurz vor, wobei sein Schwerpunkt im Lehrgang E-Government, der seit 2002 angeboten wird, lag.
Vorstellung der IT der Stadt Krems
MAS Wolfgang SCHMID, Krems, präsentierte „seine“ IT-Abteilung, in der 6 Mitarbeiter für 225 PC Arbeitsplätze an 33 Standorten zuständig sind. Bemerkenswert ist, dass alleine 25 Programmpakete nur für die Agenden der Bundespolizei und der Bezirkshauptmannschaften erforderlich sind.
Neue Microsoft Verträge über die Bundesbeschaffung GmbH
Mag. Hubert KUZDAS präsentierte dabei das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Gebietskörperschaften, vertreten durch die BBG, und Microsoft Österreich. Der neue Select-Rahmenvertrag wird mit 1. April 2004 in Kraft treten, wobei derzeit eine Händlerausschreibung nach vorangegangener Bedarfserhebung durchgeführt wird. Ein Überblick zeigt, dass insbesondere bei Enterprise Agreement Verträgen um 25% günstigere Konditionen erreicht werden konnten als bei dem letzten Select Vertrag.
Grafische Informationssysteme, GIS Produkte
Abg. z. NR. Dipl.-Ing. Elke ACHLEITNER, Linz, präsentierte die in der Stadt Linz verwendeten Geodaten, die sowohl als analoge Pläne als auch als digitale Daten zur Verfügung gestellt werden können. Unter die Geo-Basisdaten fallen der Kataster, Naturbestand, Orthofotos sowie das Geländehöhenmodell. Diese Basisdaten dienen als Grundbausteine für speziell erstellte Stadtpläne bzw. Atlanten. Darüber hinausgehende Geo-Fachdaten werden nach entsprechendem Aufwand verrechnet.
E-Mail Policy/SPAM
Dipl.-Ing. Dr. Alois REGEL, Linz, Dipl.-Ing. Eberhart Binder, Wien, und Franz ETTENAUER, Krems, legten ihre Vorgehensweise bei der Bekämpfung von Spam dar. Während in Linz eine Software alle eingehenden Mails nach ihrem Inhalt scannt und Spams nicht an den Adressaten zustellt, wird in Wien bei solchermaßen erkannten Mails der Begriff [SPAM] in der Betreffzeile eingefügt und an die Empfänger zugestellt. Die Stadt Krems ist derzeit dabei, die für sie kostengünstigste und zuverlässigste Variante auszuloten.
Pay per Page
Dipl.-Ing. Peter MITTENDORFER vom Land Salzburg präsentierte dabei die alternative Vorgehensweise des Landes Salzburg zur Beschaffung von Druckern, Scannern und Faxgeräten. Dabei erfolgt die Bezahlung anhand von fixierten Seitenpreisen bei einer bestimmten Mindestmenge. Neben der Reduktion der Gerätevielfalt schlägt zu Buch, dass der Auftragnehmer für die Reparatur und das Verbrauchsmaterial zuständig ist. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass mit der Umstellung auf das neue Finanzierungsmodell sehr gute Erfahrungen gemacht wurden.
Allfälliges
Die nächste Sitzung ist für 17. und 18. Juni 2004 in Wolfsberg geplant.