Grünflächenausschuss: Rainer Weisgram neuer Vorsitzender

Grünflächenausschuss: Rainer Weisgram neuer Vorsitzender

Nach dem Ausscheiden von Paul Schiller, Wien, aus dem aktiven Dienst, war die Funktion des Vorsitzenden im Ausschuss für Gärten und Grünflächen längere Zeit vakant geblieben. Auf Vorschlag von Generalsekretär Erich Pramböck wurden kürzlich Rainer Weisgram, Stadtgartendirektor in Wien, als Vorsitzender und Wolfgang Saiko, Stadtgartenamtsleiter in Salzburg, als sein Stellvertreter per Akklamation einstimmig bestellt.

Gartenbaugesellschaft: Aus Tradition innovativ
Die Österreichische Gartenbaugesellschaft (ÖGG), die im Jahre 2002 ihr 175-jähriges bestehen feierte, initiierte seit ihrem Bestehen immer wieder Neuerungen im Gartenbau, die mittlerweile längst anerkannt sind, so Peter Fischer-Colbrie in seinem Vortrag. So wurde auch auf Initiative der ÖGG an der Donauuniversität Krems der Lehrgang „Gartentherapie“ eingerichtet, der berufsbegleitend über 4 Semester akademische Experten für Gartentherapien ausbildet. Zielgruppe sind Personen, die bereits jetzt in gartentherapeutischen Einrichtungen arbeiten, wie beispielsweise in pädagogischen, sozialen, medizinischen und psychologischen Betreuungseinrichtungen. Die Kosten für 4 Semester betragen 7.000 Euro.

NATUR findet Stadt
Als Anwalt der Natur sieht der Österreichische Naturschutzbund, der seinen Sitz in Salzburg hat, seit 1913 seine Aufgabe in der Erhaltung der Arten und Biotope. Der Naturschutzbund ist in Bezirks- und Ortsgruppen organisiert und versucht auch durch die Naturschutzjugend bereits im Kinder- und Jugendalter das Bewusstsein für diese Materie zu schärfen. Dadurch soll mehr Platz für Natur und Arten gesichert werden. Birgit Mair-Markart, Naturschutzbund Niederösterreich, berichtete über aktuelle Projekte, die zu diesem Zwecke durchgeführt wurden. Im Rahmen des Heckenprojektes sollte der Wert der Hecke als Biotopsystem vermittelt werden. Die Hecke fungiert als Boden- und Windschutz, beheimatet Futterpflanzen und fördert die Artenvielfalt. Statt der beabsichtigten 100 Kilometer zusätzlicher Hecken in ganz Österreich wurden im Rahmen dieses Projektes 650 Kilometer neu gepflanzt.

Mit der Aktion „Baumpension“ wurde versucht, mehr Naturnähe im Wirtschaftswald zu erreichen. Stehendes und liegendes Totholz ist nicht wirklich tot, sondern lebt bei standortgerechter Baumwahl. Durch diese Aktion konnten in ganz Österreich 210.000 Hektar Baumpensionsfläche ausgewiesen werden. Aus Haftungsgründen befinden sich diese Flächen jedoch nicht in Wegenähe.

Schließlich wurde im letzten Projekt „natur findet stadt“ aufzuzeigen versucht, dass Natur und Stadt kein Widerspruch sind. Im Rahmen dieses Projektes werden monatlich bestimmte Arten mit Umweltthemen verknüpft. So wird beispielsweise der Zusammenhang zwischen Verbrennung, Abrieb, biogenen Teilchen und Schwermetalle mit der Verbreitung von Flechten dargestellt. Die Auswirkungen der Siedlungsentwicklung auf den Biotopverbund wird ebenso thematisiert wie die von den EU-Umweltministern nunmehr startende Artenschutzkampagne „Stop dem Verlust der Artenvielfalt“.

Josef Mikocki (Umweltschutz Wien) beschrieb die Wildwuchsmaßnahmen der Stadt Wien. Seien es das ehemalige Kinderfreibad Auer-Welsbach-Park, Baulücken oder Verkehrsrestflächen bis hin zu Industriebrachen: Man könne städtische Flächen durch stark reduzierte Pflege zu Denkmälern für die Natur gestalten.

Sole-Ausbringung im Winterdienst
Über die Zusammenarbeit zwischen den Wiener Stadtgärten (grüne Uniformen) und den Wiener Straßenreinigungsdiensten (orange Uniform) berichtete Josef Thon, Straßenreinigung Wien. Durch die in den letzten Jahren immer strenger werdende Judikatur im Bereich der Wegehaltepflichten werden an die Qualität der Straßenreinigung im Winterdienst immer höhere Anforderungen gestellt. So müssen durch aktuelle Judikate die Umflaufzeiten immer wieder verkürzt, die Tätigkeiten immer genauer dokumentiert und die Schneefreiheit auf Fahrbahnen und Gehwegen trotz strengster Winter und überraschender Wintereinbrüche im städtischen Bereich ständig gewährleistet sein. Im Zweifel wurde daher in den letzten Jahren unter Umständen sicherheitshalber mehr geräumt – und auch mehr Salz gestreut, als es für die Umwelt gut war. Dadurch entstand auch ein gewisses Spannungsverhältnis zu den Stadtgärtnerein, die derartige Umweltschäden durch ihre Kunst wieder wett zu machen versuchten.

Zum Schutz der Pflanzen kann durch die neuen Technologien so wenig wie möglich gestreut werden. Weitere Schutzmaßnahmen sind bauliche Maßnahmen wie hohe Randsteine oder Einfriedungen von Grünflächen im Straßenbereich, genaue Wetterprognosen und –beobachtung, der Einsatz von salzresistenten Pflanzen und keine Schneeablagerung auf unversiegelten Böden. Reinigungsarbeiten werden in Kooperation mit dem Wiener Stadtgartenamt durchgeführt. Dadurch konnten auch parallele Strukturen im Werkstättenwesen abgebaut werden. Auch erfolgt nunmehr die Altstoff-, Kehricht- und Grünschnittentsorgung gemeinsam. Zusammenfassend musste Thon zugeben, dass das umweltfreundliche Salzstreumittel nach wie vor nicht existiert.

Feinstaubvergleich in österreichischen Städten
Um sich die Größenverhältnisse vorstellen zu können, führte Günther Schermann (Umweltschutz Wien) die Größenvergleiche von Feinstaubteilchen vor Augen. So verfügen PM10-Teilchen über eine Durchschnittslänge von 0,1 mm, PM2,5-Teilchen über 0,0125 mm. Eine wesentliche Problematik bei der Feinstaubbekämpfung ist die Luftverfrachtung, die über Strecken von bis zu 500 Kilometer möglich sein kann. Um die Grenzwerte am Immissionsort einhalten zu können, müssen jedoch Gegenmaßnahmen am Emissionsort angesetzt werden.

Nach dem IG-Luft ist an maximal 30 Tagen pro Jahr die Überschreitung der Tagesmittelwerte gestattet. In Graz, Klagenfurt und Wien werden diese derzeit an 100 bis 160 Tagen überschritten. Luftbelastungen sind in der Regel flächendeckend. Lokale Spitzenwerte ergeben sich meisten durch lokale Emittenten wie Großbäckereien, Zementwerke oder auch startende LKWs oder Feuerwerke. So sank die Luftbelastung am Wiener Stephansplatz nach dem Silvester-Feuerwerk 2005/06 erst am 2. Jänner nachmittags auf den Tagesmittelgrenzwert. Problematisch bei den Diskussionen, in welchem Ausmaß Verkehr mit Schuld an der Feinstaubbelastung trägt, ist, dass dieser zwar einen geringen Massenanteil, aber dafür einen hohen Teilchenanteil emittiert. Aber auch traditionelle Bräuche wie das Osterfeuer tragen zu temporären Belastungen bei, werden sie doch gerne dazu verwendet, Reifen und Plastikteile mit zu „entsorgen“.

Alleebaumstudie: Salzschäden bei Bäumen
Um die Ursachen der unterschiedlichen Gesundheit zwischen Allee- und Parkbäumen festzustellen, wurde das Institut für Ökologie und Naturschutz, Universität Wien, von den Wiener Magistratsabteilungen für Umweltschutz, Stadtgärten sowie Abfallwirtschaft und Straßenreinigung gemeinsam beauftragt, standortspezifische Unterschiede und Ursachenwirkungen zu erheben. Professor Roland Albert berichtete über die Ergebnisse, die, baumartabhängig in unterschiedlichem Ausmaß veranschaulichten, dass der Chlor-Eintrag in den Blättern und der Natriumeintrag im Stammholz bei straßennahen Alleebäumen um ein vielfaches höher ist als bei Parkbäumen. Als Folge arbeiten sich die Aufnahmemechanismen der Pflanzen gleichsam zu Tode, die Ionenbalance in den Blättern wird aus dem Gleichgewicht gebracht und wirkt demzufolge für Zytoplasma toxisch. Durch das gleichzeitige massive Absinken des Stärkegehaltes verhungert der Baum. So finden sich in 60 Jahren alten Kastanienbäumen 50 Kilogramm reines Kochsalz Trockenmasseanteil.
Als Sanierungsmaßnahme schlägt Professor Albert u.a. den teilweisen Bodenaustausch bis mindestens 30 cm vor, kombiniert mit einer Bodenbohrung bei gleichzeitiger übermäßiger Bewässerung, um das Salz aus dem Boden zu spülen. Wirksame Gegenmaßnahmen gegen eine derartige Schädigung müssen aber immer speziell für den einzelnen Baum gesetzt werden. Eine generelle Lösung für einen ganzen Straßenzug ist somit nicht möglich.

SIA ermöglicht effiziente Baumkontrolle
Helga Zodl, Büro „VLASITZ & ZODL“, berichtete als gerichtlich zertifizierte Sachverständige über die Standfestigkeit von Bäumen bei starker Windeinwirkung. Um der starken Hebelwirkung des Windes, der auf die Baumkrone einwirkt, erfolgreich entgegenwirken zu können, ist für einen Baum die natürliche Entwicklungsmöglichkeit seiner Wurzeln besonders wichtig. Nach Prüfung dieser Voraussetzung wird seine Standfestigkeit nach Methoden errechnet, die durch empirische Versuche entwickelt wurden. Ist der Stamm bis zu einem Drittel hohl, so beträgt sein Tragfähigkeitsverlust ca. 25% der ursprünglichen Tragfähigkeit. Ab diesem Zeitpunkt benötigt der Baum genauerer Kontrolle und Beobachtung, ein Umschneiden ist aber noch nicht erforderlich. Überraschenderweise ist für die Standfestigkeit eines Baumes die Stammdicke weniger relevant für die Grundsicherheit, wesentlich wichtiger ist die Größe und Dichte der Baumkrone sowie die Höhe des Baumes, da diese für die Berechnung des Windandrucks die wesentlichen Parameter sind. Als mögliche Maßnahmen werden daher die Verkleinerung der Kronenhöhe und des Querschnitts empfohlen, da dadurch der Hebelarm des Windandrucks verringert wird.

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