INSPIRE, Geoland und Register

INSPIRE, Geoland und Register

Zwar ruht der Unterausschuss der ÖROK zum Thema Geodatenpolitik seit nunmehr fast einem Jahr, sie findet aber trotzdem statt. In Österreich entwickeln sich immer mehr Register und Services öffentlicher Stellen, die georeferenzierte Daten oder Produkte anbieten, und in der EU befindet sich die INSPIRE-Richtlinie kurz vor der entscheidenden Endphase. Die Teilnehmer der 6. Sitzung der Arbeitsgruppe der GIS-Koordinatoren des Österreichischen Städtebundes, die am 28. Juni 2006 in Bruck an der Mur stattfand, sehen somit dringenden Bedarf, die seinerzeit ohnedies bereits sehr weit gediehenen Verhandlungen zur österreichischen Geodatenpolitik fortzuführen und zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dass sich die Städte und Gemeinden des Wertes und der Bedeutung der von ihnen erhobenen Geodaten sehr wohl bewusst sind, betonte der Stadtamtsdirektor von Bruck an der Mur, Helmut Krammer.

geoland.at – das Geodatenportal der Länder
Geoland wurde von den Ländern ursprünglich geschaffen, um im Bereich der Geoinformationen eine Vertiefung der Kooperation öffentlicher Stellen zu erreichen. So dient es auch als Einstiegsportal für die Länder-GIS. Wie Wolfgang Jörg (Stadt Wien) ausführte, ist Geoland darüber hinaus als offenes Geodatenportal konzipiert, das durch bundesweit harmonisierte Geodaten größtmöglichen Nutzen bringen soll. Der Anteil der Landesverwaltungen, die mit ihren Geodaten den Grundstock von Geoland bilden, kann aber nicht alle Bereiche zur Gänze selbst abdecken. Kooperationspartner, die mit ihren Informationen das Angebot erweitern und ergänzen, sind daher sehr willkommen. Die Regeln für diese Zusammenarbeit werden in der sogenannten Partnerrichtlinie dargestellt, die unter www.geoland.at einsehbar ist.

Zum bestehenden Angebot sollen ab Herbst 2006 Katalogservices über Metadaten, Spracherweiterungen und sogenannten „Fachschalen“, das sind Geodaten zu Schwerpunktthemen wie Umwelt, Verkehr etc., hinzukommen.

Adressregister I: Neues aus der Clearingstelle
Peter Belada (Stadt Wien, MA 41) berichtete aus der Clearingstelle, die vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, vom Österreichischen Gemeindebund und vom Österreichischen Städtebund zum Adressregister eingerichtet wurde. In der Clearingstelle soll die bestmögliche Nutzung und Vermarktung der Daten des Adressregisters und die Abklärung von Fragen und Erarbeitung von Vorschlägen zur Führung, Datenabgabe und Qualität des Adressregisters betrieben werden.

So hat das BEV einen Werbefolder zum Österreichischen Adressregister gestaltet, der bei Veranstaltungen das Register bewerben soll. Zum generellen Schulungsbedarf der Gemeinden bietet das BEV Schulungen zum Thema Adressregister in den regionalen Vermessungsämtern (60 in Österreich) für die Gemeindeverantwortlichen an.

Postleitzahlen werden künftig im Geocodierungsclient ermittelt, können aber von der Gemeinde überschrieben werden. Überschriebene Postleitzahlen werden vom Programm aber nicht mehr auf Plausibilität überprüft.

Der Städtebundes machte das BEV darauf aufmerksam, dass eine Korrektur bzw. Überschreibung der Postleitzahl bei Eingabe nicht erfolgen wird. Dies ist schließlich nicht Aufgabe der eingebenden Stelle (Gemeinde). Eine Überschreibung wird nur dann erfolgen, wenn die Meldebehörde bei einem konkreten Geschäftsfall einen Änderungsbedarf erkennt.

Adressregister II: Neues aus der UserGroup
Günter Koren (Stadt Klagenfurt) berichtete über die aktuelle Aktivitäten der UserGroup, die von der Clearingstelle eingesetzt wurde, um technische Fragen der Registerführung abzuklären.

Am Beispiel der Stadt Klagenfurt erörterte er die aktuellen Probleme, die sich mit dem Adressregister laufend ergeben. Bis zur Türebene erfolgte die Erstbefüllung des GWR aus dem ZMR ohne Fehler. Bei den Türnummern entstanden jedoch zusätzliche Nutzlaufnummern, deren Ursprung bislang unbekannt ist. Ferner existieren plötzlich Häuser mit etwa 21 Wohnungen, aber mit nur 60 Türnummern. Die Nachbearbeitung dieser Daten erfolgt in Klagenfurt unter Einbindung der Bauträger sehr erfolgreich, ist jedoch sehr ressourcenbindend. Weiters musste festgestellt werden, das GWR-Daten nicht mit Grundstücksdatenbank-Daten übereinstimmen. Der Abgleich zwischen diesen beiden Datenbanken funktioniert nicht. Zu dem erhält man unterschiedliche Abfrageergebnisse, in Abhängigkeit davon, ob KG/EZ oder die Adresse eines Grundstückes als Suchkriterium eingegeben wird. Grundbuchsauszüge sind aus diesem Grunde oft fehlerhaft. Die Stadt Klagenfurt stellt daher den hilfesuchenden Bürgerinnen und Bürgern oftmals Bestätigungen über korrekte Daten aus.

INSPIRE-Richtlinie oder „die Karawane zieht dennoch weiter“
Belada berichtete über die neuesten Entwicklungen zur INSPIRE-Richtlinie. So fand vom 2. bis 4. April 2006 eine interparlamentarische Konferenz zu dieser Richtlinie in Schweden statt. Ziel dieser Konferenz war es, die Auswirkungen eines verbesserten Zuganges zu qualitativ hochwertigen und harmonisierten Geodaten herauszuarbeiten. Der Österreichische Städtebund war die einzige anwesende kommunale Interessensvertretung. Das Interesse der politisch Verantwortlichen der Mitgliedstaaten für die Probleme, die sich den Kommunen im Zusammenhang mit der INSPIRE-Richtlinie stellen, nur schwach ausgeprägt. Umso größer war das Interesse der europäischen Experten, die Belada auf diese kommunenspezifische Problematik ansprechen konnte. So befand auch Jack Dangermond, Präsident von ESRI - Environmental Systems Research Institute, dass für ihn die Kostenlosigkeit der Daten nicht die oberste Prämisse sei. Wesentlich wichtiger sei die Verfügbarkeit von standardisierten Geodaten gleich bleibender Qualität in gesicherter Verfügbarkeit.

Der Städtebund forderte bei der INSPIRE-Richtlinie, dass
- eine Entgeltlichkeit der abzugebenden Daten den Behörden freigestellt bleiben muss und
- die entsprechenden Nutzungsbedingungen für die Abgabe von diesen Behörden definiert werden können müssen.

Das Ende des legistischen Verfahrens auf europäischer Ebene (entweder Zurückziehung der Richtlinie durch die Europäische KOmmission oder Annahme eines Kompromisses) wird bis Ende 2006 erwartet.

Qualitätsoptimierung für die Registerpflege
Roland Sallmann berichtete über den Hintergrund und den aktuellen Stand dieses Projektes. Auslöser war eine Studie von Christian Schleritzko (Masterthesis, Donau-Universität Krems, April 2006) in der eine Zufriedenheitsmessung bei über 1.000 Städten und Gemeinden hinsichtlich der Registerführung bzw. –pflege erfolgte. Diese Studie zeigte teilweise gravierende Probleme organisatorischer und technischer Natur auf.

In weiterer Folge wurde die skillCon Skilled Management Consulting GmbH vom Österreichischen Gemeindebund beauftragt, im Rahmen eines Projektes und unter Beteiligung des Bundeskanzleramtes, der Statistik Österreich und des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen die registerspezifischen Probleme der Gemeinden und Städte zu strukturieren und einer Lösungsfindung zuzuführen. Bei einem am 23. Mai 2006 im Bundeskanzleramt stattfindenden Symposium wurde den beteiligten Stellen der daraus erarbeitete Maßnahmenkatalog präsentiert. Arbeitsgruppen zu Monitoring und Problemlösung werden in den nächsten Monaten versuchen, die Defizite einvernehmlich zu beheben.

Die nächste Sitzung soll Anfang Dezember d.J. in Klagenfurt stattfinden.

OEGZ

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