Kein „Baumbruch“ beim Bauausschuss

Kein „Baumbruch“ beim Bauausschuss

Am 27. und 28. Juni 2006 fand in Bruck an der Mur unter dem Vorsitz des Wiener Stadtbaudirektors Gerhard Weber die 96. Sitzung des Bauausschusses statt. Themen waren die Baumsicherheit, Radonbelastung in Gebäuden, das Bodenschutzprojekt der Stadt Linz und ortsbildverträgliche Lärmschutzwände. Das Programm wurde durch eine interessante Präsentation der Projekte der Stadtgemeinde Bruck an der Mur und einen Besuch der Landesausstellung „Wege zur Gesundheit“ sowie einer Besichtigung des Naherholungsgebietes Weitental ergänzt. Hier gilt der Dank Erwin Holzinger, dem Stadtbaudirektor von Bruck an der Mur, der mit großer Gastfreundschaft die Mitglieder des Bauausschusses betreute.

600.000 Wiener Stadtbäume
Als erstes Thema präsentierte der Leiter des Wiener Stadtgartenamtes, Rainer Weisgram, rechtliche, fachliche und organisatorische Aspekte zum Thema Baumschutz. Ein spektakulärer Baumbruch gleich zu Beginn der Tätigkeit von Rainer Weisgram, der zum Glück ohne menschlichen Schaden ablief, veranlasste diesen sich intensiv mit dieser Materie zu befassen und umfangreiche Maßnahmen in die Wege zu leiten. Dieser Schritt war vor allem auch auf Grund rechtlicher Konsequenzen für den Eigentümer einer Liegenschaft im Falle der Haftung bei Baumbruch notwendig. Als Direktor des Stadtgartenamtes trägt Weisgram die Verantwortung für ca. 600.000 Wiener Stadtbäume in Alleen und Parkanlagen.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist, rechtzeitig zu erkennen, ob ein Baum eine potentielle Gefahr darstellt. So wurden umfangreiche organisatorische Maßnahmen in die Wege geleitet, um entsprechend einschlägiger Normen sicher zu stelle, dass keine Gefahr von Bäumen – etwa durch Astbruch – ausgeht. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Erstellung eines Baumkatasters, um in Zukunft jederzeit über jeden Baum und die Frequenz seiner Untersuchung Bescheid zu wissen.

Radonbelastung in Gebäuden
Der zweite Themenbereich befasste sich mit der Frage der Radonbelastung in Gebäuden. Im bestimmten Gebieten Österreichs – vor allem in Kärnten, in Oberösterreich und Tirol – gibt es in nicht unterkellerten Gebäuden das große Problem des Eintritts von Radongas. Zuerst referierte Jörg Krischan, Strahlungsexperte beim Amt der Kärntner Landesregierung, über die theoretischen Grundlagen dieses radioaktiven Gases, das ca. 40% der natürlichen Strahlung ausmacht. Besonders gefährdet sind hier Gebäude, die nicht unterkellert sind, wobei es sich hier recht oft um Schulen oder Kindergärten handelt.
Daran anschließend berichtete Heribert Kaineder vom Amt der oberösterreichischen Landesregierung, Abteilung Umwelttechnik, über verschiedene Projekte der Sanierung. Vorweg betonte Kaineder, dass die erste und kurzfristig günstigste Maßnahme die Durchlüftung durch konsequentes Öffnen der Fenster ist. Dennoch ist es in vielen Fällen unumgänglich, auch baulich etwas zu verändern. Je nach Gebäude und Bauweise bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. So kann zum Beispiel durch einfache Belüftungssysteme sehr viel erreicht werden. Mitunter ist es auch notwendig durch aufwendigere Maßnahmen (wetwa durch den Einbau eines durchlüftenden zweiten Bodens) Abhilfe zu schaffen.

Bodenschutz in Linz
In der nächsten Präsentation wurde das Bodenschutzprojekt der Stadt Linz von Wilfried Hager vorgestellt. Zur optimalen Ausnutzung der vorhanden Bodenressourcen wurde das EU-Projekt TUSEC-IP ins Leben gerufen. Partner in diesem Projekt sind Städte und Universitäten aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Slowenien und Österreich.
Durch gezielte Beurteilungen von Bodenprofilen werden die jeweiligen Böden nach Nutzungsmöglichkeiten kategorisiert. Dadurch sollen zum Beispiel für Grünraum oder Landwirtschaft wertvolle Böden erkannt und aufgezeigt werden. Damit soll unnötige Bodenversiegelung verhindert und die wichtigen Umweltfunktionen erhalten werden. Dies ist gerade für die Stadt Linz von großer Bedeutung, denn die Ressource Boden ist vor allem im Norden der Stadt ein sehr knappes Gut. Durch die Einbindung in das internationale Netzwerk ist auch ein Erfahrungsaustausch gewährleistet.
Ein „Dauerbrenner“ im Bauausschuss sind die kontroversiellen Fragen rund um Ortsbild und Lärmschutz. Dazu referierte der Grazer Architekt Rudolf Fuhrmann, der bereits zahlreiche Lärmschutzwände entlang österreichischer Straßen gestaltet hat. Er präsentierte eine Vielzahl von Beispielen, wie Lärmschutzwände so gestaltet werden können, das die Beeinträchtigung für das Ortsbild möglichst gering gehalten wird. Doch ein optimaler Lärmschutz wird auf viele Menschen wohl stets als störend für das Ort- oder Landschaftsbild wirken.

Bauprojekte in Bruck an der Mur
Zum Abschluss des ersten Tages präsentierte Gastgeber Erwin Holzinger die aktuellen Bauprojekte der Stadt Bruck an der Mur. Das größte Vorhaben der letzten Jahr war der neu gestaltete Koloman-Wallisch-Platz, der Hauptplatz der Stadt. Hier wurde eine große Tiefgarage errichtet und danach wurde der Platz neu gestaltet. Weiters wurde das Kulturzentrum neu adaptiert. Ein großes Projekt, das sich in der Phase der Vorbereitung befindet, wäre eine komplette Neugestaltung der Zufahrten zur Semmeringschnellstraße, wodurch große Flächen für die Stadtentwicklung frei würden.

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