Arbeitskreis III – "Städte und ihre Wirtschaft – Standortqualität für High-Tech-Unternehmen“

Arbeitskreis III – "Städte und ihre Wirtschaft – Standortqualität für High-Tech-Unternehmen“

Unter dem Vorsitz und der Moderation von Herrn Bürgermeister Helmut Manzenreiter, Villach, wurden im Arbeitskreis III die Faktoren einer attraktiven Gestaltung von Standorten für High-Tech-Unternehmen erörtert.

Zusammenfassung der Referate

Der Wirtschaftsstandort Villach
Bgm. Manzenreiter sprach als Vorsitzender des Arbeitskreises zum Wirtschaftsstandort Villach, der vor rund 30 Jahren mit der Ansiedlung von Siemens begründet wurde. Inzwischen konnte dieser Betrieb zu einem international gefragten High-Tech-Designcenter mit über 500 Mitarbeitern ausgebaut werden. Die Bedeutung für ein erstklassiges Standort-Ranking einer Stadt geht vom Lohnniveau bis hin zum Ausbildungsniveau. In Villach konnte speziell das Ausbildungsniveau durch die Ansiedlung von Fachhochschul-Studiengängen und der Ermöglichung eines Know-how-Transfers durch industrienahe außeruniversitäre Forschungseinrichtungen besonders gefördert werden. Mit dem Technologiepark, in den im August die Fachhochschule und ein Forschungszentrum einziehen werden, wird ein weiterer Anreiz für Ansiedlungen gesetzt.

Diese umfangreichen Initiativen wurden jedoch erst durch eine langfristige und vorausschauende Planung ermöglicht.

Mag. Irene Sachse, KDZ
High-Tech als Standortfaktor – Standortqualität für High-Tech-Unternehmen
Mag. Sachse informierte eingangs der Tagung des Arbeitskreises III über die Auswertung einer Umfrage des KDZ unter den Mitgliedsgemeinden des Österreichischen Städtebundes über Positionierung und Aktivitäten in Bezug auf wirtschaftsfördernde Maßnahmen.

Ergebnisse der KDZ-Umfrage
Für eine erfolgreiche kommunale Standortpolitik stellen sich nach dieser Umfrage vor allem drei Aspekte als relevant dar:

O zielgruppenorientierte Wirtschaftsförderungsmaßnahmen

O „harte“ und „weiche“ Standortfaktoren (bereits vorhanden, oder erst im Ausbau)

O aktive Standortpolitik

Im Folgenden werden diese Umfrageergebnisse erläutert und in den Folgereferaten weiter untermauert.

Entwicklung von Wirtschaftsförderungsfaktoren
Der Schwerpunkt einer Wirtschaftsförderung wandelte sich von der Tradition einer Bereitstellung von Flächen hin zu beispielsweise der Schaffung eines Innovationsklimas und der aktiven Unterstützung lokaler Netzwerke.

New Public Management
Mit dem New Public Management steht den Kommunen ein neues Instrument zur Verfügung, das den Rahmen für die Entwicklung neuer Handlungsspielräume und die Entwicklung neuer effizienterer Strukturen definiert. Die Aufgabenerfüllung der Städte und Gemeinden wird zunehmend an ökonomischen Kriterien ausgerichtet, wobei die Dienstleistungsorientierung im Vordergrund steht.

Die neuen Ansätze der Wirtschaftsförderung bedingen aufgrund des beschleunigten wirtschaftlichen Strukturwandels die zusammenfassende Wahrnehmung von bisher isolierten Einzelaufgaben, wie z. B. Arbeitsmarktpolitik, Regionalplanung und Technologiepolitik.

High-Tech ist zwar nur ein Standortfaktor von vielen, in Anbetracht der sprunghaften Entwicklungen in den unterschiedlichen Branchen dieses Bereiches werden aber gerade hier besondere Anforderungen an eine Gemeinde gestellt. Die Infrastruktur, die Aus- und Weiterbildungseinrichtungen vor Ort, sowie die Verwaltung selbst werden hier besonders gefordert. Die langfris­tige Sicherung der Standortqualität und der Arbeitsplätze im Einzugsbereich trägt allerdings wesentlich zu der Steigerung der kommunalen Leistungsfähigkeit bei.

Gemeindeeigenes, individuelles Standortprofil
Die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und des Standortprofils korrespondieren eng mit der wirtschaftlichen Förderung von Unternehmen und der Beschäftigung.

Zur Entwicklung von Kompetenzfeldern sollten Gemeinden nach erfolgter Stärken-Schwächen-Analyse ihr Stand­ortprofil positionieren und gegebenenfalls einzelne Standortfaktoren optimieren. Die Entwicklung von Kompetenzfeldern und Leitbildern kann in regionale Kompetenznetzwerke münden, wobei diese als Ansprechpartner für Unternehmen dienen.

Maßnahmen, die von den Gemeinden als wichtig eingeschätzt wurden:

O Servicestelle in der Verwaltung,

O Verfahrensbeschleunigung und -hilfe,

O Förderung der Erwachsenenbildung,

O Hebung der Wohn- und Lebensqualität, attraktives Freizeitangebot,

O Errichtung von Impulszentren und Technologietransferzentren,

O rasche und kompetente Beantwortung/Bearbeitung von Anfragen,

O Zusammenfassung administrativer und wirtschaftlicher Kompetenzen,

O Unternehmensunterstützung beim Um­gang mit Kontrollbehörden.

Standortprofil/Standortfaktoren
Ein klares Standortprofil kombiniert mit spezifischen Wirtschaftsförde­rungs­aktivitäten bildet die Ausgangsbasis für konkrete Maßnahmen einer lokalen Standortpolitik.

Die Entscheidung einer Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen – so zwingend sie sich aufgrund der damit verbundenen Synergieeffekte darstellt –, muss jedoch im Zusammenhang mit der generellen Entscheidung, vorhandene Standortfaktoren einer bestimmte Bran­che zuzuordnen, gesehen werden.

Weiche Standortfaktoren:

unternehmensbezogene personenbezogene

Wirtschaftsklima der Qualität des Wohnens und
Stadt/Region des Wohnumfelds

Stadt-/Regionsimage Umweltqualität

Branchenkontakte Qualität von Schulen und
anderen Ausbildungseinrichtungen

Hochschulen, Forschung Qualität der sozialen Infrastruktur
und Technologie

Innovatives Klima Freizeitwert
der Region

Leistungsfähigkeit der
Wirtschaftsverbände

Harte Standortfaktoren:

O geografische Lage zu Bezugs- und Absatzmärkten (Kundennähe, lokale Marktchancen),

O Nähe zu strategischen Partnern und Kapitalgebern,

O lokale Infrastruktur (z. B. Verkehrsanbindung),

O Arbeitsmarkt (Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern),

O Flächenangebot,

O lokale Abgaben und Kosten (Energie- und Umweltkosten Preisniveau Büroräume, lokale Personalkosten usw.),

O Förderangebote.

High-Tech-Unternehmen fordern spezifische Maßnahmen und Standortfaktoren:

O adäquate Infrastruktur (technische, Verkehrs- und sonstige Infrastruktur),

O hochqualifizierte Arbeitskräfte,

O enger Kontakt mit Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen sowie Bildungseinrichtungen,

O Nähe zu Kunden, Lieferanten und/ oder Konkurrenten,

O kompetenter Ansprechpartner in der Verwaltung bzw. der Wirtschaftsförderung.

Zukünftige wichtige Funktionen kommunaler Wirtschaftsförderung

O Initiierungs- und Impulsgeberfunktion: Die Entwicklung von neuen Ideen und innovativen Ansätzen im Zusammenhang mit regionalen und lokalen Schwerpunkten müssen erkannt und auf zukunftsträchtige Felder fokussiert werden.

O Moderations- und Koordinationsfunktion: Die Moderation und/oder Koordination eines einzelnen Projekts oder eines gesamten Prozesses verbindet die oft unterschiedlichsten Ansätze mit den vorhandenen Strukturen.

O Kooperations- und Netzwerkfunktion: Die Aufgabe der Wirtschaftsförderung besteht darin, spezifische Verbünde zu organisieren, sowie lokale/regionale Partner zusammenzuführen und zu begleiten.

O Transfer- und Brückenfunktion: Wirtschaftsförderung nimmt in diesem Zusammenhang eine über die regionale Ebene hinausreichende „Relaisfunktion“ zwischen vertikalen administrativen, politischen und institutionellen Ebenen ein.

O Organisations- und Dienstleistungsfunktion: Diese Funktion spricht 2 Aufgaben an: einerseits die regionale Abstimmung von Wirtschaftsförderungsdienstleistungen und andererseits die Verbesserung unternehmensrelevanter Verwaltungsdienstleistungen.

O Verfahrensbeschleunigung, Nutzung von eServices: Die rasche Erledigung von z. B. Bau- und Gewerbebewilligungen realisiert bei den Verwaltungskunden einen nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Vorteil und stärkt auch indirekt das Image als Wirtschaftsstandort.

Dipl.-Ing. Gerald Murauer, Finanzverwaltung
der Stadt Wien
High-Tech-Förderung – Instrumentarium für Städte
Ebenfalls aus der Sicht der Städte betrachtete Dipl.-Ing. Murauer in seinem Referat die Thematik der High-Tech-Förderung.

Als theoretische Argumente für ein Engagement einer Kommune im Bereich der Wirtschaftsförderung werden oftmals genannt:

O Marktversagen
Nach diesem Argument investieren private Unternehmen zu wenig in Forschung und Entwicklung aufgrund der Risikobehaftung von innovativen Investitionen.

O Systemversagen
Wenn aufgrund mangelnder Netzwerkbeziehungen zwischen Unternehmen und Institutionen lukrative Kooperationsprojekte ausbleiben, spricht man von Schwächen in einem Innovationssystem eines Landes oder einer Stadt.

Positive externe Effekte:
Die Forschung und Innovation eines Unternehmens (oder eines Verbundes) hat positive Auswirkungen auf die Wertschöpfungstiefe und somit auf das wirtschaftliche Potential einer Region.

Instrumentarien der Technologiepolitik
Im Rahmen einer Strategieabklärung sind vorab folgende Fragen abzuklären:

O Auf welche Stärkefelder und Technologien setzt man

O Unternehmens- oder Netzwerkbezogene Förderung

O Positionierung hinsichtlich der Förderung einer Technologie-Verbreitung oder der Entwicklung von neuen Technologien

Infrastrukturelle Maßnahmen
Wie bereits im Referat von Frau Mag. Sachse ausgeführt, kann es einer Kommune gelingen, durch bauliche Infrastrukturprojekte deutliche Impulse zu setzen. Derart entsteht ein Nukleus, der nach außen verkauft werden kann und der sich zum Anziehungspunkt für weitere Unternehmen und/oder Forscher entwickelt.

Technologiezentren/Inkubatoren
In den letzten Jahren wurden viele Gründer- und Technologiezentren installiert. In diesem Zusammenhang wurde auch der Begriff des Inkubators als „Knoten“ oder Anlaufpunkt im Netz einer wissensbasierten Ökonomie kre­iert. Ein Inkubator ist eine Multi-Busi­ness-Einheit, die eine Vielzahl von Dienstleistungen für junge Unternehmen anbietet. Dabei reicht das typische Angebot von Büro- und/oder Laborinfrastruktur über Beratungsleistungen und Trainingsprogrammen bis hin zu netzwerkbildenden Maßnahmen und der Bereitstellung von Risikokapital.

In einer Benchmark Studie wurden Inkubatoren in 13 europäischen Städten analysiert und hinsichtlich ihres Integrationsgrads in ein kommunales Innovationsnetzwerk unterschieden:

Inkubator-Typisierung
Unter dem ersten Typus dem sogenannten „Knowledge Center“ versteht man Technologiezentren, die Infrastruktur und Dienstleistungen bereitstellen, aber kaum in Netzwerkaktivitäten eingebunden sind.

Eine weitere Stufe stellt ein Inkubator dar, der starke Verbindungen zu anderen Initiativen aufweist, wie zum Beispiel zur regionalen Wirtschaftsförderung und privaten Kapitalgebern.

Eine höhere Stufe stellen Inkubatoren dar, die den Fokus auf einen gewissen Sektor aufweisen und dort zusätzlich die Verbindung zu anderen Forschungsinstitutionen, Unternehmensberatern, etc. aufbieten.

Die höchste Stufe stellt eine Integration in ein Innovationsnetzwerk dar, in dem sich ein eigens eingerichtetes Clustermanagement um die Betreuung der Unternehmen und um ihre Einbindung in Forschungsprojekte, etc. kümmert.

Indirekte Technologieförderung
Im Vergleich zur direkten Unternehmensförderung können Mitnahme­effekte klein gehalten und mit relativ kleinem Mitteleinsatz pro Förderfall hohe Hebelwirkungen erzielt werden.

Oft ist es das Ziel von Netzwerkaktivitäten, die starke Forschungskompetenz, z. B. der Hochschulen, in konkrete unternehmerische Projekte umzusetzen. Nützliche Beratungs-Dienst­leis­tungen für Unternehmen können Informationen zu Behördenwegen, „Förderantragsberatung“ für Bundesförderungen, Standardverträge oder Beratung für Finanzierungsgespräche (Venture Capital) sein.

Politische Unterstützung von wirtschaftsfördernden Maßnahmen
Die politische Unterstützung für Aktivitäten in Bereich der Forschung und Technologie ist wichtig, um einerseits „Türen zu öffnen“ und andererseits eine mediale Präsenz zu erzeugen, die den Standort für Investoren attraktiv macht und Signalwirkungen am Stand­ort selbst hat.

Monetäre Unterstützung
Ein zusätzliches Instrumentarium ist die Förderung von innerbetrieblicher Forschung und Entwicklung, oder die monetäre Förderung von Kooperationsprojekten. Die monetären Förderungen auf Bundesebene sind breit, zusätzliche Förderungen seitens der Regionen und Städte sollten nur dort eingesetzt werden, wo „Förderlücken“ bestehen bzw. eine politische Strategie für besondere Stärkefelder vorhanden ist.

Immer wichtiger wird allerdings die monetäre Förderung von Kooperationsprojekten. Dabei werden Projekte mit einem konkreten Output, die Universitätsinstitute, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen einbeziehen, zeitlich befristet gefördert.

Technologiepolitik in Wien
In Wien wurden seit 1997 etwa drei Milliarden Schilling in technologiepolitische Aktivitäten investiert. Dabei sind neben Infrastrukturinvestitionen und monetären Förderungen auch Bildungsausgaben im Hochtechnologiebereich einbezogen. Als konkrete Projekte können in diesem Zusammenhang genannt werden:

TechGate Vienna: Technologiezentrum für IKT-Technologien an der Donauplatte.

Vienna BioCenter: Nukleus für Biotechnologie in der Bohrgasse.

Förderung der Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft durch Kompetenzzentren und der TransKoop-Förderung des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds.

Unternehmensbezogene Förderung durch INNOVA (Förderung von Forschungsprojekten), Telematik und C-Tech (Förderung der Technologiediffusion).

„Weiche“ Standortqualitäten
Dem zentralen Thema Standortqualitäten näherte sich Andreas Braun von der Firma Swarovski in seinem Referat aus dem Blickwinkel der „weichen“ Standortfaktoren. Neben „technischen“ und „wirtschaftliche“ Faktoren darf die Bedeutung der Inspiration und Animation von verdichteten Lebensräumen in Bezug zu der Ästhetik bzw. der Konstellation von Waren nicht unterschätzt werden.

Durch stetig zunehmende Mobilität und Geschwindigkeit entwickelt sich beinahe eine Beliebigkeit und Austauschbarkeit von Produktionsstätten.

Diese Entwicklung wird weiter noch gefördert durch die überall und jederzeit gegenwärtigen Technologien der Bild- und Tonübermittlung und Speicherung. Durch das ökonomisch bestimmte Kalkül der ständigen Bedürfnis- und Produktvermehrung nimmt man (als Konsument) Orte vermehrt nach der Dichte und Attraktivität ihrer Kaufoptionen wahr.

Die Stadt als „Schutzmarke“
Diese ständige (virtuelle) Optionsvermehrung verformt die – kommerziell manipulierte – Wahrnehmung einzelner, „normaler“ Orte in eine Wahrnehmung „außergewöhnlicher“ Orte.

Verbunden mit dem stetig steigenden Konkurrenzdruck der einzelnen Städte untereinander gewinnt die Identität, die Stadt-Marke als „Schutzmarke“, immer mehr an Bedeutung für das „Gefühl“ der medial nomadisierenden Menschen.

Eine neue Identität für die Städte
Für neue und alte Orte besteht so – abseits von der Manipulation der Ware Information durch Medien und Interessensvertretungen – die Chance zu symbolischen Versammlungsstätten von Sinn und Sein heranzureifen und so aus der „Uniformität“ herauszutreten.

Mag. Karin Schachinger, OÖ Technologie- und Marketing­gesellschaft mbH, Linz
Eckpunkte einer modernen Technologie- und Regionalpolitik: Cluster, Kompetenz- und Technologiezentren
Mag. Schachinger referierte ergänzend zu den Betrachtungen aus städtischer Sicht über die Anstrengungen zur Verbesserung der Standortbedingungen auf regionaler Ebene in Oberösterreich.

Unter Federführung der OÖ Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) wurde 1998 mit der Umsetzung des „Strategischen Programmes OÖ 2000+“ begonnen.

Eine günstige Budgetsituation des Landes und ein beachtliches Privatisierungspotential ermöglichten zusätzliche Investitionen. In einer ersten Tranche wurde eine Milliarde Schilling für den Zeitraum 1998 bis 2003 zur Verfügung gestellt. Finanziert werden damit der Ausbau von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Technologiezentren, die Kooperation von Unternehmungen in sogenannten Clus­tern und die Entwicklung und Vermarktung attraktiver Unternehmensstandorte.

Das „Strategische Programm OÖ 2000+“ (www.tmg.at) ist in seiner Kon­zeption auf den Aufbau von Ressourcen, Kompetenzen und Infrastruktur sowie die Förderung unternehmerischer Kooperationen ausgerichtet. Es grenzt sich dadurch bewusst von den traditionellen Förderkonzepten mit der Förderung einzelner Projekte und Unternehmen ab.

Strategische Kernbereiche
Die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmungen und Regionen wird zunehmend von der Generierung und Nutzung von Wissen und Information, von neuen Technologien sowie von der Qualität und Geschwindigkeit der Produkt- und Prozessinnovationen bestimmt.

Faktoren wie berufliche Qualifikation, Forschung und Entwicklung im Rahmen der staatlichen und regionalen Standortpolitik gewinnen im Wettbewerb um gute Arbeitsplätze und Wertschöpfung immer mehr an Bedeutung. Klassische Standortbedingungen wie die technische Infrastruktur, ein attraktives Steuersystem und ein entsprechendes Immobilienangebot sind eine notwendige, aber keinesfalls ausreichende Bedingung.

Das Strategische Programm hat daher seine Schwerpunkte in den Bereichen F&E und Technologietransfer, berufliche Aus- und Weiterbildung sowie Standortmarketing zu setzen.

„Power im Netz“
Im Rahmen der oö. Zukunfts- und Technologieoffensive kommt eine Reihe von technologiepolitischen Instrumenten zum Einsatz. Zu diesen Instrumenten zählen die Kompetenzzentren, Technologie- und Gründerzentren (Impulszentren), die Cluster, ein Energie-Technologie-Programm, die Innovationsassistenten für KMU sowie Maßnahmen des Standortmarketings. Weiters wird außerhalb des Finanzierungsrahmens dieses Programms das Angebot an Fachhochschul-Stu­dien­gängen ausgebaut.

Durch den Einsatz dieser Instrumente wird das Technologienetzwerk des Landes immer dichter, wobei im Wesentlichen drei Strategien verfolgt werden:

O Die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung soll gefördert und in ihrer Wirksamkeit verstärkt werden.

O Die Kooperation in Clustern soll zu einer Erhöhung der Innovationskraft innerhalb der industriellen Strukturen führen.

O Der Technologietransfer wird vor allem durch die Ergänzung und die verbesserte Koordination bestehender Programme und Institutionen vorangetrieben. Neue Erkenntnisse gelangen dadurch in der Praxis rascher zur Anwendung.

Zentren der Kompetenz
Eine wichtige Maßnahme zur Förderung des aktiven Technologietransfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stellt - in Abstimmung mit den Initiativen der Bundesregierung – der gezielte Auf- und Ausbau von Kompetenz- und Transferzentren dar.

Im Aufbau sind derzeit ein Kompetenz­zentrum für Chemie und Umwelt, für Industriemathematik, ein Design-Transferzentrum, ein F&E-Schwerpunkt für Medizin- und Integrationstechnik, sowie Transferzentren an den Fachhochschul-Studiengängen. Einen besondereren Schwerpunkt stellt die Mechatronik mit zwei Kompetenzzentren dar.

Technologienetzwerk in OÖ wird dichter
Gründer- und Technologiezentren sind ein wichtiges Instrument zur Förderung von jungen, technologieorientierten Unternehmungen. Die oö. Landesregierung hat daher beschlossen, jeden oö. Bezirk bei Vorliegen der sachlichen Voraussetzungen, die Errichtung eines sogenannten Impulszentrums zu ermöglichen. Bis Mitte 2002 werden 18 solcher Zentren ihren Betrieb aufgenommen haben.

Clusterland Oberösterreich
Seit 1998 sind in OÖ sechs Cluster­initiativen in den Bereichen Automobil (AC), Dieseltechnologie (CDT), Kunststoff (KC), Holz (HC) sowie Ökoenergie (OEC) und Lebensmittel (LC) entstanden. Über 1000 Partner, vor allem Unternehmungen, F&E- und Bildungseinrichtungen und auch die Interessenvertretungen sind in diesen Clustern tätig.

Information, Kommunikation, Kooperation im Netzwerk
Die Zielsetzung der oö. Clusterinitiativen liegt im Aufbau einer Netzwerkstruktur, die durch Kooperation geprägt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, werden unter anderem Informations- und Kommunikations-Aktivitäten gestartet, Kooperationsprojekte initiiert, regelmäßige Fachveranstaltungen durchgeführt und Kontakte auf nationaler und internationaler Ebene hergestellt.

Ausblick
Die sechs oö. Cluster haben durch ihre Bündelungsfunktion inzwischen eine erfreuliche Dynamik für die einzelnen Branchen entwickelt. Rund 300 Unternehmen wirken in 70 Kooperationsprojekten mit.

Der Wirtschaftsstandort Villach aus Sicht eines Unternehmens
Um den Vertretern der Städte und Gemeinden in diesem Arbeitskreis die Möglichkeit zu geben, die Bedeutung des Wirtschaftsstandortes Villach, aus dem Blickwinkel eines Unternehmens zu sehen, referierte Ing. Hannes Gütler, Firma Mechatronic, Villach.

Die Fa. Mechatronic Systemtechnik GmbH, ist im Halbleiter- sowie Mikromechanik- und -elektronik-Bereich angesiedelt und beschäftigt sich im Detail mit dem Anlagen- und Maschinenbau für den Reinraum-Bereich und mit der Kunststoff- und Edelstahlfertigung für die Reinraum-Montage/Raumfahrttechnik.

Eine Reihe von Faktoren in Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung der Halbleiter- und Halbleiter-Zuliefer-Branche in Kärnten und speziell im Raum Villach, ergeben nach Ansicht von Ing. Gütler ein beinahe optimales branchenbezogenes Betriebsgründungs- und -ansiedelungsumfeld:

O Die Möglichkeit, bestehendes Industriegelände bzw. den im Aufbau befindlichen Technologiepark zu nutzen bzw. zu beziehen

O Villach als Verkehrsknotenpunkt im Dreiländereck Österreich–Italien–Slowenien

O Nähe zu strategisch wichtigen Kunden (im Umkreis von 500 km sind 29 Produzenten im Halbleiter-Bereich angesiedelt)

O Nähe zu strategisch wichtigen Lieferanten (ca. 20–30 Zulieferer aus dem metall- und kunststoffverarbeitenden Bereich)

O Qualifiziertes Personal durch industrie und technologiespezifische Ausbildungsprogramme der Stadt Villach

O Auf- und Ausbau von Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Kooperationsnetzwerken und -clustern

O Unterstützung der Unternehmensgründung bezüglich rechtlicher und steuerlicher Formalitäten, Förderungen etc.

In der im Anschluss an die Referate stattfindenden Diskussion wurden besonders örtliche und regionale Prob­lemstellungen erörtert. Eine Betriebs­ansiedlung ist trotz vorhandener Faktoren wie Verkehrsinfrastruktur, Forschung und Entwicklung ohne entsprechend verfügbare qualifizierte Facharbeitskräfte nicht möglich. Bürgermeis­ter Dr. Konrad, Leoben, berichtete in diesem Zusammenhang über entsprechende Bemühungen rund um die Mur-Mürz-Achse.

Das Referat zum Thema „weiche Standortfaktoren“ regte zu lebhaften Stellungnahmen an. Gemeinderat Mag. Fritz, Innsbruck, setzte diesen Leitgedanken in Beziehung zu der Verantwortung einer Stadt im Bereich einer qualitätsvollen Stadtentwicklungsplanung und Stadtplanung.

Der Ansatz der Regionalität am Beispiel Oberösterreich fand in den Diskussionen ebenfalls sehr reges Interesse, wobei von Dipl.-Ing. Murauer, Wien, der Kooperationsgedanke Stadt-Umland besonders zur Sprache gebracht wurde.

In seinem Schlusswort vermied es Bürgermeister Manzenreiter, eine Zusammenfassung der Referate vorzunehmen, um so eine Nachbetrachtung der einzelnen Leitgedanken besser zu ermöglichen.

Kurzversionen der Impulsreferate zu den Arbeitskreisen sind auf der Homepage des Österreichischen Städtebundes: www.staedtebund.at abrufbar.




17. Juli 2001

ÖGZ Download