Österreichs Gemeindefinanzen: Kein Grund zur Euphorie
Österreichs Gemeindefinanzen: Kein Grund zur Euphorie
Zwtl.: Freie Finanzspitze ist deutlich positiv Mit mehr als 500 Mio. Euro liegt die freie Finanzspitze, jenes Geld, das für zusätzliche Investitionen benötigt wird, deutlich über den Vorjahreswerten (2009 war sie sogar im Minus). Jedoch zeigen sich nach Gemeinde-Größenklassen handfeste Unterschiede: die freie Finanzspitze der Gemeinden bis 1.000 EinwohnerInnen liegt bei null bzw. im Minusbereich – davon sind 26 Prozent der österreichischen Gemeinden betroffen. Ebenso liegt die freie Finanzspitze der Gemeinden über 20.000 EinwohnerInnen bei null. Zwtl.: Auswirkungen auf Investitionen Die Investitionen der Gemeinden haben sich seit 2002 im Verhältnis zum Brutto-Inlandsprodukt (BIP) halbiert. In absoluten Werten sind sie von 2,1 Mrd. Euro auf 1,5 Mrd. Euro gesunken. Seit 2007 sind sie um rund 25 Prozent zurückgegangen. Unter Berücksichtigung der ausgegliederten Investitionen von rund 300 Mio. Euro p.a. sind die kommunalen Investitionen seit 2007 um 10 Prozent zurückgegangen. Zwtl.: Schulden und Haftungen Von 2010 auf 2011 sind die Finanzschulden um 43,2 Mio. Euro bzw. 0,4 Prozent zurückgegangen. Die Haftungen sind jedoch im gleichen Zeitraum um 499,9 Mio. Euro gestiegen. Es handelt sich dabei in hohem Maße um Investitionen in ausgegliederten Gesellschaften, deren Schulden de facto von den Gemeinden zu bedecken sind. Die faktischen Schulden der Gemeinden sind 2011 gegenüber dem Vorjahr um 456,7 Mio. Euro bzw. rund drei Prozent gestiegen. Seit 2002 sind die Finanzschulden um 1,5 Mrd. Euro gestiegen, die Haftungen haben um 2,4 Mrd. Euro zugenommen. In Summe weisen die Gemeinden 2011 Schulden und Haftungen in Höhe von 17,3 Mrd. Euro auf. Gegenüber 2002 nahmen sie um vier Mrd. Euro zu. In den letzten beiden Jahren sind die Schulden inkl. Haftungen der Gemeinden trotz sinkender Investitionen gestiegen. Die Schulden sind real gestiegen, obwohl substanziell weniger investiert wurde. Der Überschuss der laufenden Gebarung liegt in Form der „Öffentlichen Sparquote“ (ÖSQ) im Jahr 2011 mit 14,9 Prozent fühlbar unter dem Vor-Krisen-Wert von 2007. 27 Prozent der Gemeinden haben im Jahr 2011 einen Abgang im ordentlichen Haushalt ausgewiesen. Der Wert liegt zwar substanziell unter jenem aus 2009 von 70 Prozent. Trotzdem können auch 2011 mehr als 640 Gemeinden, das entspricht rund einem Viertel, ihre Gemeindehaushalte nicht ausgleichen. Von einer Entspannung bei den Gemeindefinanzen kann daher nicht gesprochen werden, da die Transfers weiterhin stärker steigen als die Ertragsanteile. „Eine Stabilisierung der Gemeindefinanzen auf niedrigem Niveau ist zu erwarten, jedoch sehe ich keinen Grund für Euphorie“, so Peter Biwald, Geschäftsführer des KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung. „Die österreichischen Gemeinden haben die an sie gestellten Anforderungen mehr als erfüllt: Trotz hoher Einsparungen ist es den Kommunen gelungen das hohe Niveau der Daseinsvorsorge zu erhalten“, sagt Wolfgang Figl, Leiter des Public Sector der Bank Austria. Zwtl.: Handlungsfeld Kinderbetreuung Trotz der schlechten Rahmenbedingungen konnten die Kinderbetreuungsplätze um 40.000 erhöht werden. Die Städte und Gemeinden (inkl. Wien) brachten für diese Mehrplätze im Jahr 2011 589 Mio. Euro auf, davon entfielen 427 Mio. Euro auf die Gemeinden, Bund und Länder zahlten davon weit weniger als ein Drittel. Trotz des erfreulichen Trends können bundesweit große Qualitätsunterschiede vor allem bei Schließtagen und Öffnungsstunden ausgemacht werden. Generell wächst das Angebot mit der Größe der Gemeinde. Zwtl.: Prognose: Gemeindefinanzen bis 2016 Mittelfristig wird davon ausgegangen, dass der Überschuss der laufenden Gebarung auf 1,5 Mrd. Euro bleiben wird. Dies setzt steigende Ertragsanteile von 3,2 bis 3,7 Prozent p.a. voraus. In realen Werten würde dadurch der Überschuss der laufenden Gebarung von 12,6 Prozent 2011 auf 10,8 Prozent zurückgehen. Die Ursache liegt in wieder leicht ansteigenden Transferzahlungen an die Länder (+5,4 Prozent p.a.). Um das Niveau der Jahres 2007 wieder zu erreichen, müssten in den nächsten Jahren die Ertragsanteile um 4,3 bis 4,9 Prozent bzw. die Transfers nur mehr um 4 Prozent zunehmen. Werte, die aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung eher unwahrscheinlich sind. Bei einem Wirtschaftseinbruch ist - im Worst Case - ein Rückgang des Überschusses der laufenden Gebarung auf unter 7 Prozent zu erwarten, das entspricht dem Niveau von 2009/2010. „Aufgrund der stark steigenden Ausgaben sind mittelfristig echte Strukturreformen notwendig wie eine Entflechtung der Transferströme und ein aufgabenorientierter Finanzausgleich. Um kurzfristig zu Liquidität zu kommen, sollten Städte und Gemeinden Zugang zur Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) bekommen“, fordert Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes. Rückfragehinweis für Medien: Mag.a Saskia Sautner
Österreichischer Städtebund
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Telefon: +43 1 4000-89990
E-Mail: saskia.sautner@staedtebund.gv.at
www.staedtebund.gv.at Mag.a Michaela Bareis MA
KDZ - Zentrum für Verwaltungsforschung
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E-Mail: bareis@kdz.or.at
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