68.Städtetag: Zusammenarbeit zwischen Zentralen Orten und ländlichem Raum

68.Städtetag: Zusammenarbeit zwischen Zentralen Orten und ländlichem Raum

Utl.: Arbeitskreis 3 diskutierte mit Berchtold und Müller

 

Feldkirch/Wien (OTS/RK) - Der 68. Städtetag wurde heute in vier Arbeitskreisen fortgesetzt. Arbeitskreis 3 widmete sich der zunehmend an Bedeutung und Beachtung gewinnenden Zusammenarbeit von zentralen Orten mit ihrem ländlich geprägten Umland und ging dabei insbesondere der Frage nach, wie man Kooperation und Kommunikation noch besser gestalten kann.

   Die Zusammenarbeit des stadtnahen Umlands mit seinem regionalen Versorgungszentrum wird in dynamisch wachsenden ebenso wie in ländlich geprägten Regionen zunehmend zu einem Schlüsselelement für eine wettbewerbsfähige, ressourcenschonende und bodensparende Siedlungsentwicklung .

   „Wie kann zwischen Städten und mittelgroßen bzw. Kleingemeinden eine funktionierende Kooperationskultur entwickelt werden? Was sind die politischen und organisatorischen Herausforderungen dabei?“ Die Erfahrungen aus der Region Vorderland Feldkirch zeigen, dass neben einer guten organisatorischen Struktur und Aufgabenteilung vor allem eine „Kooperationskultur“ im Miteinander erarbeitet werden muss, die den gemeinsamen Lebensraum in den Mittelpunkt stellt.

   „Die Stadt Feldkirch trat im Jahr 2010 der Regio Vorderland-Feldkirch als ordentliches Mitglied bei und beteiligt sich auch an zahlreichen anderen Kooperationen als aktiver Partner.“ So der Bürgermeister von Feldkirch Wilfried Berchtold.“ Ausschlaggebend dabei ist die Erkenntnis, dass das Entwicklungspotential der Region nur dann voll ausgeschöpft werden kann, wenn Städte und Gemeinden über die Gemeindegrenzen hinaus agieren. Oberste Maßgabe für uns ist die Lebensraumperspektive: Die Aktivitäten, Herausforderungen und Sorgen der Menschen enden eben nicht an den administrativen Grenzen der Gemeinden. Gewisse Themenbereiche – wie Mobilität und Verkehr – können überhaupt nur noch regional gelöst werden.“ so Berchtold weiter.

   Gerade bei Kooperationen über Stadtgrenzen hinweg sind die „unterschiedlichen Geschwindigkeiten“ zwischen den kleinen und großen Gemeinden in der Region immer Thema der Zusammenarbeit.
„In der Regio Vorderland-Feldkirch wird zwischen großen und kleinen Gemeinden ein Miteinander auf Augenhöhe gelebt. Der Stadt Feldkirch mit rund 35.000 Einwohnerinnen und Einwohnern steht am anderen Ende des Spektrums die Berggemeinde Viktorsberg mit einer Bevölkerung von 400 Menschen gegenüber. Die Abstimmung der gemeinsamen Interessen ist bei so einer Vielfalt nicht immer ganz einfach. Am Ende lohnt sich dieser Aufwand aber, da wir dadurch unseren Lebensraum zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger weiterentwickeln können”, fasst Werner Müller, Bürgermeister der Gemeinde Klaus und Vizepräsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes als  Obmann der Regio Vorderland-Feldkirch die Erkenntnisse aus der Kooperation zusammen.

   Ähnliche Erfahrungen gibt es auch im Zuge der Umsetzung des „Zukunftsraums Lienzer Talboden“ – einer Entwicklungsstrategie für 15 Gemeinden, die u.a. gemeinsame Wirtschaftsstandortentwicklung, interkommunale Wohnstandortentwicklung und eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Mobilität und Verwaltung verfolgt. Speziell vor den Vorhang geholt wurde beim Städtetagsarbeitskreis die Errichtung einer gemeinsamen Breitbandinfrastruktur („RegioNet“). „Mittlerweile kooperieren wir äußerst erfolgreich in den Bereichen Raumordnung, Infrastruktur und Entwicklung mit den Umlandgemeinden und funktionieren mehr und mehr als Stadtregion”, so die Lienzer Bürgermeisterin und Landtagsabgeordnete Elisabeth Blanik.

   Neben der Frage, was Regionen im Inneren zusammenhält, legte der Arbeitskreis ein besonderes Augenmerk auf die Rolle und die direkten und indirekten Auswirkungen der übergeordneten Rahmenbedingungen. Landesstatthalter und Raumordnungsverantwortlicher Karl-Heinz Rüdisser stellte im Arbeitskreis das „Raumbild Vorarlberg 2030“ vor: „Das Raumbild Vorarlberg soll ein Leitbild zur räumlichen Entwicklung des ganzen Landes sein. Wir sehen interkommunale Kooperation als Schlüssel, um allen BewohnerInnen der Region Daseinsvorsorge langfristig zur Verfügung stellen zu können.“ Um die Kooperation der Gemeinden zu fördern, werden im Land  Vorarlberg gemeindeübergreifende Planungen konsequent höher gefördert als Planungen einzelner Gemeinden.

   Beim „Kooperationsraum-Modell“ werden räumliche Entwicklungskonzepte für Teilräume des Rheintals erstellt, die auch verbindlich sein sollen. Als weiterer Baustein soll eine verbindliche regionale Abstimmung bei regional bedeutsamen raumplanerischen Entscheidungen rechtlich verankert werden.
Ebenfalls im Arbeitskreis diskutiert wurde das neue steiermärkische Landes- und Regionalentwicklungsgesetz und die bis Mai auf dessen Basis eingereichten Regionalentwicklungspläne. Die Vizebürgermeisterin der Stadt Judenburg und Landtagsabgeordnete Gabriele Kolar berichtete in ihrer Funktion als Vorsitzende der Region „Obersteiermark West“ über die Vorzeigeprojekte dieser aus 34 Gemeinden bestehenden Region der Bezirke Murau und Murtal. „Unter dem Schlagwort „Kraft – das Murtal“, wollen wir gezielt Impluse zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts setzen”, sagt Kolar. Dieses Unterfangen geht Hand in Hand mit einer Regionalinitiative zur Beschäftigung von Frauen und der Breitbandinitiative der Region „Obersteiermark West“. „Wenn wir den jungen Frauen in der Region attraktive Kinderbetreuungseinrichtungen anbieten und uns auch den Herausforderungen im Bereich Pflege stellen, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie und schaffen es so, die jungen Familien langfristig in der Region zu halten“, so Kolar weiter.

   Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion zeigten einerseits, dass österreichischen Stadtregionen hier bereits viel vorzuzeigen haben.

   Gleichzeitig waren sich alle auch darüber einig, dass Städte Kristallisationspunkte einer Entwicklung bleiben müssen, die das Ziel verfolgt, Einrichtungen der Daseinsvorsorge und somit Lebensqualität langfristig in der Region zu halten.
EU-Förderungen waren und sind oftmals ein Anlass und Anreiz für interkommunale Kooperationsprojekte  – diese wichtige Rolle sollen sie auch nach 2020 beibehalten.

Details unter: www.staedtetag.at

Das genaue Programm und weitere Informationen finden Sie unter: www.staedtetag.at Die RK wird laufend berichten.

Aktuelle Fotos zum Download unter: https://www.picdrop.de/markuswache/staedtetag+2018
Fotocredit: Markus Wache

(Schluss) hie/sas
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Rückfragehinweis:
Österreichischer Städtebund, Kommunikation
Saskia Sautner, Tel.: +43 (0) 676 8118 89990
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