7. Stadtregionstag: Zentren brauchen Regionen – Regionen brauchen Zentren

7. Stadtregionstag: Zentren brauchen Regionen – Regionen brauchen Zentren

7. Österreichische Stadtregionstag 2019 in Wiener Neustadt eröffnet, bis morgen, Donnerstag diskutieren 180 FachexpertInnen aus ganz Österreich.

Bereits zum siebenten Mal lud der Österreichische Städtebund zu diesem österreichweiten Vernetzungstreffen – 2019 gemeinsam mit dem Land Niederösterreich und der Statutarstadt Wiener Neustadt. Der thematische Bogen umspannte mit Strategien zur Stärkung der Stadt- und Ortskerne sowie den Herausforderungen im Bereich der Mobilität zwischen Zentrum und Umland zwei sehr wesentliche Kernpunkte der Interaktion innerhalb einer Stadtregion.
Rekordverdächtige 180 FachexpertInnen aus ganz Österreich waren der Einladung gefolgt und nutzten die Gelegenheit, neue Impulse oder Ideen mitzunehmen, Erfahrungen auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen oder zu vertiefen.

Im Zuge seiner Eröffnungsrede charakterisierte Thomas Weninger, Generalsekretär des Städtebundes, zunächst das Wesen der Stadtregion: die Zeit der Stadtmauern sei längst passé. In den Städten werde der Raum knapp und administrative Grenzen seien für eine mobile Bevölkerung, die in der Stadt arbeitet, in der Stadt oder im Umland wohnt und sich im Nahbereich der Städte erholt, schon längst kein Thema mehr. Daher sei es ein Gebot der Stunde, in den Städten und ihrem Umland (sogenannten „funktionalen Räumen“) attraktive Angebote für diese Grundbedürfnisse - Wohnen, Arbeiten und Erholen - auf die Beine zu stellen. „Bei allen großen Fragen unserer Zeit – sei es Klimawandel, Wettbewerbsfähigkeit oder der soziale Zusammenhalt – werden gerade in den Städten und Stadtregionen Antworten kreiert. Daher müssen sich Bund und Länder überlegen, wie man die Städte und Stadtregionen bei ihren Aufgaben unterstützen kann“, sagte Weninger mit Verweis auf die laufenden Regierungsverhandlungen und die Aufteilung der Mittel für die nächste EU-Kohäsionsfondsperiode.

Erster Programmpunkt war eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zu den Beziehungen und Herausforderungen zwischen Zentrum und Region innerhalb einer Stadtregion, die anschließend in insgesamt sechs Arbeitskreisen diskutiert wurden.
Der Wiener Gemeinderat Jörg Neumayer, Mitglied des Planungsausschusses der Stadt Wien, verwies auf Herausforderungen der stadtregionalen Mobilität, sowie auf die aktuelle Klimaproblematik: „Es braucht Stadtregionale Kooperation, finanzielle Mittel  von Bund und EU sowie Selbstbewusstsein, um gemeinsam die Herausforderungen Standortwettbewerb, Fragen des Klimawandels und sozialer Zusammenhalt zu lösen. Nur so können sich die Österreichischen Stadtregionen international nachhaltig positionieren und ihren Bürgerinnen als lebenswerter Lebensraum zur Verfügung zu stehen“.

Gemeinsam mit Bund, Ländern und Städten wurde errechnet, dass bis 2030 circa 15 Milliarden Euro für den Öffentlichen Verkehr in den Stadtregionen benötigt werden (das sind städtische Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, Regionalbusse, Stadtgrenzen überschreitende Straßenbahnen, sowie Regionalbusse). „Die Städte und Stadtregionen brauchen dringend eine jährliche Nahverkehrsmilliarde, um die Öffis in den Stadtregionen auszubauen, auf klimafreundliche Antriebe umzurüsten und leistungsfähiger sowie attraktiver zu machen. Wir fordern daher von der nächsten Bundesregierung ein starkes Zeichen in Richtung der Städte“ so Neumayer weiter.

Bürgermeister Klaus Schneeberger stellte den Stellenwert der Innenstadt klar: „Der Kampf um die Innenstädte ist ein Kampf um unser Herz und muss daher unser aller Anliegen sein. Erfolg stellt sich demnach auch nur ein, wenn es eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Belebung der Ortszentren gibt. Auch hier gilt: Es geht nur in einem Hand in Hand von Stadt und Region." Er mahnt dabei auch die Umsetzung einer aktuellen Empfehlung der Österreichischen Raumordnungskonferenz zur „Stärkung von Orts- und Stadtkernen“ ein.

Gemeindebund-Präsident Bürgermeister Alfred Riedl verwies in der Diskussion auf die Bedeutung von Zentren als Räume der sozialen Interaktion: „Nicht nur Regionen brauchen Zentren – Jede Gemeinde, jede Ortschaft braucht ihr Zentrum als Raum für sozialen Austausch und Interaktion. In der Zusammenarbeit der Gemeinden in den Regionen werden von den Bürgermeistern bedarfsgerechte Lösungen erarbeitet.“ Riedl ist überzeugt, dass jede Gemeinde in allen Regionen des Landes die gleichen Chancen braucht und strich dabei die Bedeutung des flächendeckenden Glasfaserausbaus als wesentlicher Teil der Daseinsvorsorge hervor und forderte auch mehr Solidarität für den ländlichen Raum. „Nicht nur beim Glasfaserausbau sondern auch bei der Finanzierung des öffentlichen Verkehrs dürfen die Gemeinden abseits der Ballungszentren nicht auf der Strecken bleiben“, so Riedl.

Einigkeit herrschte darüber, dass es ein Miteinander braucht, dass Stadt und Land nicht auseinanderdividiert werden dürfen. Karl Wilfing, Präsident des NÖ Landtags, der in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner gekommen war, betonte vor diesem Hintergrund, dass Niederösterreich in mehrfacher Hinsicht den Boden für Stadtregionen und ihre Funktionsweise bereitet hat: „Niederösterreich unterstützt seit mehr als 30 Jahren die interkommunale Kooperation in Form der Kleinregionen und hat diese Kooperationen mit dem Instrument der Regionalen Leitplanung auf eine neue Qualitätsstufe gestellt, da Gemeinen, Region und Land auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Im Sinne starker regionaler Zentren ließe sich das Modell der Stadtregion perfekt mit den regionalen Planungsprozessen verbinden.“  

Auf die regionale Ebene verwies auch Sektionschefin Ulrike Rauch-Keschmann, die in Vertretung der Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Maria Patek am 7. Stadtregionstag teilnahm: „Es ist unbestritten, dass die stadtregionale beziehungsweise regionale Zusammenarbeit auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Hier braucht es ein förderliches Umfeld für neue Ideen und qualitätsvolle Prozesse, in die sich alle relevanten Stakeholder einbringen können.“ Daher geht die Österreichische Raumordnungskonferenz in einem aktuellen Projekt mit dem Titel „Regionale Handlungsebene stärken“ gerade u.a. der Frage nach, wie die gebietskörperschaftsübergreifende Zusammenarbeit gestärkt werden kann, um wichtige Themen – allen voran das Thema Klimaschutz – „auf den Boden zu bringen“. 

Als Bindeglied zwischen der einleitenden Diskussion und mehreren Workshops zu den Herausforderungen „Stärkung der Zentren“ und „Mobilität in der Stadtregion“ fungierte ein Rahmenvortrag zur nachhaltigen Raumentwicklung von Axel Priebs, Universitätsprofessor für Angewandte Geographie, Raumforschung und Raumordnung an der Universität Wien. Priebs verwies auf die Stütz- und Impulsfunktion der Städte, deren Bedeutung nur im regionalen Kontext – konkret als „regionales Zentrum“ – zu verstehen ist, aber auch darauf, dass die kommunalen Partner in einer Stadtregion gemeinsame Zukunftsvorstellungen entwickeln und nachhaltige, verbindliche Abstimmungs- und Kooperationsformen entwickeln müssen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam eine zukunftsfähige Daseinsvorsorge und zeitgemäße Verwaltungsdienstleistungen anzubieten zu können.

Der 7. Stadtregionstag wird morgen, Donnerstag, in zwei weiteren Arbeitskreisen fortgesetzt. Außerdem am Programm: Ein Besuch der niederösterreichischen Landesausstellung „Welt in Bewegung“ sowie eine Exkursion in die Region Bucklige Welt-Wechselland.

Die Ergebnisse des 7. Stadtregionstags stehen im Kürze unter https://www.staedtebund.gv.at/services/veranstaltungsergebnisse/veranstaltungsergebnisse-details/artikel/7-stadtregionstag-am-23-und-24-oktober-2019-in-wiener-neustadt/ zum Nachlesen bereit.

www.stadtregionen.at
Twitter: #stadtregionstag

Rückfragehinweis:

Saskia Sautner
Österreichischer Städtebund - Kommunikation
Tel.: +43 1 4000 89990
E-Mail: saskia.sautner(at)staedtebund.gv.at

Dominik Dittrich
Amt der Niederösterreichischen Landesregierung
Abt. Raumordnung und Gesamtverkehrsangelegenheiten/Überörtliche Raumordnung
Tel.: +43 2742 9005 14905
Email: dominik.dittrich(at)noel.gv.at

 

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