Equal Pension Day: Große Pensionslücke für Frauen

Equal Pension Day: Große Pensionslücke für Frauen

Utl.: Frauen erhalten um 43 Prozent weniger Pension als Männer

Jede Stunde zählt – das Vollzeit-Teilzeit-Lineal zeigt Erwerbsverläufe und Lebenseinkommen.

 

Wien (OTS) – Der Equal Pension Day markiert jenen Tag, an dem Männer bereits so viel Pension bekommen haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden. Dieser Tag fällt 2018 österreichweit auf den 28. Juli. Damit wurde im Vergleich zum vergangenen Jahr ein Tag gewonnen. Der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes macht auch heuer wieder auf dieses so wichtige Thema aufmerksam.

Langsame Verbesserung und Bundesländervergleich
Der Equal Pension Day wird seit dem Jahr 2015 von der Statistikabteilung der MA 23 und der MA 57 der Stadt Wien berechnet. In diesen vier Jahren gab es einige positive Entwicklungen. Am meisten, also um 6 Tage, sind die Pensionseinkommens-Differenzen zwischen Frauen und Männern in Wien geschrumpft. Das Burgenland hat sich seit 2015 um fünf Tage verbessert. Am dritten Platz liegt Niederösterreich mit einer Verbesserung von drei Tagen. Österreichweit gab es insgesamt allerdings nur eine Verbesserung von zwei Tagen.
Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede. So liegt der Equal Pension Day in Vorarlberg (5. Juli) mehr als eineinhalb Monate vor jenem in Wien (27. August).

Nur zwei Prozent erreichen 45 Beitragsjahre
Der durchschnittliche Rückstand (Gender Pension Gap) beträgt bei den 2017 neu zuerkannten Alterspensionen von Frauen 43% zu den Männerpensionen.
Dafür gibt es mehrere Gründe: Frauen haben im Schnitt 10 Beitragsjahre weniger als Männer, Großteils bedingt durch betreuungsbedingte Erwerbsunterbrechungen, das durchschnittliche Antrittsalter zur Alterspension unterscheidet sich nur rund 3 Jahre. Das österreichische Sozialversicherungssystem bestraft jedes fehlende Jahr: bei den 2017 neuzuerkannten Alterspensionen erreichten nur 2% der Frauen, aber auch nicht mehr als 52% der Männer jene 45 Versicherungsjahre, die 80% des durchschnittlichen Monatseinkommens als Pension garantieren.
Dazu kommt die Lohnschere: Frauen verdienen in Österreich in Vollzeit für die gleiche Tätigkeit 22,2 Prozent weniger als Männer in derselben Position, was deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,7% liegt. Ein segregierter Arbeitsmarkt, Frauen arbeiten oft in sogenannten Frauenbranchen, die wesentlich schlechter bezahlt sind als Branchen, in denen vorwiegend Männer arbeiten – trägt das Seinige zum Gefälle zwischen Männern und Frauen bei.  

Jede Stunde zählt
Ein ganz wesentlicher Grund für die schlechten Frauenpensionen darf nicht unerwähnt bleiben - nämlich die hohen Teilzeitraten bei Frauen.
Die städtischen Frauenbüros und der Frauenausschuss des Österreichischen Städtebundes veranstalten auch heuer wieder Verteilaktionen, um auf auf die Pensionslücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Dazuwird ein Lineal in den Städten verteilt, das vor allem aufzeigt, wie sich Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen auf die Pensionshöhe und das Lebenseinkommen auswirken. Eines ist klar: je länger Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen ausfallen, desto niedriger wird die Pension und damit das Lebenseinkommen. Kurzfristige Entscheidungen für Teilzeitarbeit haben oft langfristige Folgen wie armutsgefährdende Alterspensionen. Jede Wochenstunde, die Frauen also mehr arbeiten, wirkt sich positiv auf das Lebenseinkommen aus, sichert Unabhängigkeit und Lebensstandards, auch im Alter.

Umstrukturierung und Umverteilung
Um die im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Einkommens- und Pensionsdifferenzen zu reduzieren, braucht es in vielen Bereichen neue Rahmenbedingungen, von der langfristigen Grundfinanzierung von Kinderbetreuungseinrichtungen bis zur Umstrukturierung am Arbeitsmarkt, so würde etwa die 30 Stunden-Woche für alle – eine Forderung des Frauenvolksbegehrens – zu einer besseren Umverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit führen.
„Frauen verrichten den Großteil unbezahlter Haus- und Betreuungsarbeit und können dann trotz jahrelanger Berufstätigkeit nicht von ihrer Pension leben,“ erklärt Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger, selbst einer der ersten Väter im Wiener Magistrat, der in Karenz gegangen ist und ergänzt: „Nicht nur faire Entlohnung schützt vor Armutsgefährdung im Alter, auch die partnerschaftliche Teilung von unbezahlter Arbeit trägt wesentlich zur Absicherung von Frauen bei.“  

Wichtige Info-Stellen:
Pensionsberatung der Arbeiterkammer
www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/pension/index.html

Informationen des Bundeskanzleramtes auf help.gv.at
www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/27/Seite.270000.html

Equal Pension Day in den Bundesländern

 

Der Equal Pension Day fällt heuer auf den 28. Juli, dennoch gibt es nach Bundesländern starke Unterschiede – ein früheres Datum (Vorarlberg, 5. Juli) bezeichnet demnach eine stärkere Differenz, ein späteres Datum (Wien 27. August) eine geringere Differenz zwischen den Pensionen der Geschlechter:

  • Vorarlberg: 5. Juli (+/- 0 Tage)
  • Oberösterreich: 9. Juli (+ 1 Tag)
  • Burgenland: 20. Juli (+ 2 Tage)
  • Tirol: 20. Juli (+ 1 Tag)
  • Steiermark: 22. Juli (+/- 0 Tage)
  • Niederösterreich: 24. Juli (+1 Tag)
  • Salzburg: 27. Juli (+1 Tag)
  • Österreich: 28. Juli (+ 1 Tag)
  • Kärnten: 3. August (+ 1 Tag)
  • Wien: 27. August (+2 Tage)[1]

Informationen über den Österreichischen Städtebund
Der Österreichische Städtebund ist die kommunale Interessenvertretung von 255 Städten und größeren Gemeinden. Etwa 65% der Bevölkerung und 71% der Arbeitsplätze befinden sich in Österreichs Ballungsräumen.
Mitglieder des Städtebundes sind neben Wien und den Landeshauptstädten praktisch alle Gemeinden mit über 10.000 EinwohnerInnen. Die kleinste Mitgliedsgemeinde zählt knapp 1.000 EinwohnerInnen. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Der Österreichische Städtebund ist Gesprächspartner für die Regierung auf Bundes- und Landesebene und ist in der österreichischen Bundesverfassung (Art. 115 Abs.3) ausdrücklich erwähnt.

Rückfragehinweis für Medien:
Mag.a Christina Aigner
Soziales, Frauen, Kinderbetreuung
Österreichischer Städtebund
Rathaus, 1082 Wien
Telefon +43 (0)1 4000 89995
Mobil: +43 (0)676 8118 89995
E-Mail: christina.aigner@staedtebund.gv.at
www.staedtebund.gv.at

[1] In Klammer jeweils Differenz zum Vorjahr

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