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Städtebund: Der Masterplan Ländlicher Raum – Was steckt wirklich in dem Hochglanzpapier?

Städtebund: Der Masterplan Ländlicher Raum – Was steckt wirklich in dem Hochglanzpapier?

Untertl: Städte am Land und Integration – die blinden Flecken im Masterplan ländlicher Raum

 

Zuwanderung in Städte – Abwanderung aus dem ländlichen Raum: Es sind zwei starke Trends, die derzeit die Bevölkerungsdynamiken in österreichischen Regionen prägen und auch ständig präsentes Thema der gestrigen Präsentation des Masterplans Ländlicher Raum waren. Mit seinem Projekt lenkte Bundesminister Andrä Rupprechter gebündelte Aufmerksamkeit auf das für viele ÖsterreicherInnen hoch emotional besetzte Thema der Abwanderung aus peripheren Regionen. Ausgespart bleibt auch das Thema Integration: Zuwanderung von außen scheint noch immer „befremdlich“.

Zwtl. Wo ist eigentlich dieser ländliche Raum?

Im Grunde wird diese Aufmerksamkeit auch vom Österreichischen Städtebund begrüßt, dessen knapp 250 Mitglieder mehrheitlich im sogenannten ländlichen Raum gelegen sind. Bei einem genauen Blick auf Österreich sollte die erste Frage jedoch sein: Was bzw. wo ist eigentlich dieser ländliche Raum? Sicherlich beginnt er nicht an der Außengrenze Wiens! Graz, Innsbruck, Linz und andere urbane Regionen sind derzeit ebenso von Zuwanderung geprägt. Und auch abseits der größeren Städte und Wachstumspole gibt es nicht „den einen ländlichen Raum“.

Den Blick auf die einzelnen Regionen und ihre Bedarfe zu lenken ist daher der richtige Ansatz. Im Wege der österreichischen Raumordnungskonferenz (ÖROK) wird laufend an Strategien für Regionen gearbeitet. Es sollten jedoch nicht Wachstums- und Abwanderungsräume gegeneinander ausgespielt werden sondern gemeinsame, politische Lösungen gefunden werden. 

Zwtl. Stärken stärken – zentrale Orte als Motor der Regionalentwicklung

Die Folgen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturwandels und die aktuellen demografischen Trends weisen in eine Zukunft, die insbesondere in Abwanderungsregionen nicht mehr von den kleinstrukturierten Einzelgemeinden alleine gelöst werden kann. Diese Erkenntnis muss rasch in eine neue „Kultur des Miteinanders“ übergehen. Kooperation ist in Österreich kein Fremdwort mehr – allerdings fällt es immer bedeutend schwerer, mit einer Stadt zusammenzuarbeiten. „Dies muss überwunden werden! In ganz Europa stehen die Zeichen auf stadtregionaler Kooperation. Gerade die Klein- und Mittelstädte außerhalb der Zentralräume waren und bleiben Motor einer dezentralen Entwicklung, sind Wirtschafts- und Bildungsstandorte sowie Mobilitätsdrehscheiben“, unterstreicht Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes, die Versorgungsfunktion der zentralen Orte innerhalb ihrer umliegenden Region.

Zwtl. Frauenbilder und Frauenbildung im ländlichen Raum

Nicht mehr wegzuleugnen ist das fatale Bild, das man auch heute noch von der Rolle, den Aufgaben und ganz allgemein den Frauen im ländlichen Raum vorfindet. Es ist mit Umfragen, Studien und vor allem mit der hohen Abwanderungsquote der gut gebildeten, weiblichen Bevölkerung mehr als gut belegt. Ein Umdenken ist spürbar: Kinderbetreuungseinrichtungen sind ein wesentlicher Baustein und finden sich unter anderem im EU-Förderprogramm für den Ländlichen Raum wieder. In Brüssel lobt man Österreich dafür – hierzulande gibt es nach drei Jahren Programmlaufzeit noch immer Bundesländer, in denen eine Beantragung entsprechender Fördermittel (noch) nicht möglich ist. Es gibt also noch viel für Frauenpolitik zu tun in den ländlichen Regionen Österreichs. Wichtig sind dabei auch Vorbilder wie Elisabeth Blanik, SPÖ-Bürgermeisterin von Lienz in Osttirol, der es gelungen ist, gemeinsam mit den umliegenden, von männlichen Bürgermeistern regierten Gemeinden den Zukunftsraum Lienzer Talboden ins Leben zu rufen, um dort eine gemeinsame Breitbandinfrastruktur zum Vorteil der weniger urbanen Gebiete zu errichten. Ein Kraftakt, aber in Zeiten der Digitalisierung ein wichtiges Aufzeigen der Gemeinden. Politische Entscheidungen bestimmen zukünftige Entwicklungen. Bund und Land müssen sich klar dazu bekennen, dezentrale Standorte zu stärken und so Rahmenbedingungen für eine Gegenbewegung zur Abwanderung zu schaffen. Städte bleiben auch im ländlichen Raum die Kristallisationspunkte zukünftiger Entwicklungen. Lienz und weitere hätte bereits zahlreiche Ideen beizusteuern.

Zwtl. ÖROK: Auf Vorhandenem aufbauen

Die Autoren des Masterplans haben nicht nur die Agenda Innenstadt des Österreichischen Städtebundes wie es scheint aufmerksam gelesen, sondern auch die Publikationen und Empfehlungen der ÖROK. Mit diesen liegen bereits wertvolle Grundlagen für die Regionalentwicklung in Österreich vor. Da die ÖROK nur ein koordinierendes Organ ist, sind diese Ergebnispapiere nicht im eigentlichen Sinne verbindlich für Bund und Länder – eine stärkere Abstimmung und mehr politische Aufmerksamkeit für die ÖROK wäre jedoch für die Zukunft wünschenswert. Zuletzt wurden bei den Finanzausgleichsverhandlungen 60 Millionen Euro für strukturschwache Regionen vergeben, ohne deren Vergabe an Kriterien aus ÖROK-Empfehlungen zu orientieren. Es wäre bedauerlich, wenn auch der Masterplan ländlicher Raum die gemeinsamen ÖROK-Ergebnisse politisch ignorieren würde. Der Österreichische Städtebund und seine Mitglieder in den ländlichen Regionen Österreichs stehen zur gemeinsamen Umsetzung des Masterplans jedenfalls bereit. (Schluss)

Rückfragehinweis:

Dipl.-Ing.in Melanie Lutz
Österreichischer Städtebund
Rathaus, 1082 Wien
Telefon: +43(0)1/4000-89989
Mobil: +43(0)676/8118-89989
Mail: melanie.lutz(at)staedtebund.gv.at