Verkehrssicherheitsenquete am 4.12.2006 im Wiener Rathaus

Verkehrssicherheitsenquete am 4.12.2006 im Wiener Rathaus

Am 4. Dezember 2006 fand im Wiener Rathaus eine Verkehrssicherheitsenquete statt.

Auch abseits der UN Road Safety Week (23. bis 29. April 2007) und des EU Road Safety Day (27. April 2007) bemüht sich der Österreichische Städtebund, die Anzahl der bei Verkehrunfällen Getöteten und Verletzten im Gemeindegebiet nachhaltig und deutlich zu reduzieren. Nach der Präsentation des Verkehrsleitfaden „Verkehrssicherheit für Städte und Gemeinden im“ Oktober 2002 konnte nunmehr im Rahmen der gemeinsamen Verkehrssicherheitstagung des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds und des Österreichischen Städtebundes, die am 4. Dezember 2006 im Wiener Rathaus stattfand, die Aktualisierung des Verkehrssicherheitsleitfadens mit Stand November 2006 präsentiert werden. Die Aktualisierung, die wie der Leitfaden selbst ebenfalls vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur durchgeführt wurde, erlaubt nunmehr einen Vergleich der Unfallentwicklung zwischen 2000 und 2005 und den Gemeinden eine Tendenzabschätzung, ob sie das für das Jahr 2010 gesteckte Ziel, nämlich die Anzahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten gegenüber dem Jahr 2000 zu halbieren, erreichen werden.

Schulungsmaßnahmen für Zielgruppen
„Hausherr“ Rudolf Schicker, Wiener Verkehrsstadtrat, stellte jene Maßnahmen vor, durch die sich in Wien im Jahr 2006 die seit der Dokumentation der Verkehrsunfälle geringste Anzahl an Verkehrstoten ergab. Neben allgemeinen Aktivitäten wie Licht bei Zebrastreifen und bauliche Veränderungen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit wurden auch Schulungsmaßnahmen gesetzt, die sich an bestimmte Bevölkerungsgruppen richten. So wurden gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern die sichersten Schulwege erarbeitet, Äpfel- und Zitronenaktionen für Autofahrerinnen und Autofahrer durchgeführt, die am Zebrastreifen halten (oder auch nicht) und Schulungen für ältere Personen bzw. für Radfahrer hinsichtlich des sicheren Verhaltens im Straßenverkehr angeboten.

Günter Breyer, Geschäftsführer des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds, umriss die Aktivitäten auf Bundesebene. Die Fördermittel, die der Fonds für Verkehrssicherheitsprojekte vergibt, werden aus den Einnahmen der Wunschkennzeichen gespeist. Bislang wurden 300.000 Wunschkennzeichen vergeben, die Kosten pro Wunschkennzeichen betragen derzeit € 145,–. Die Mittel werden zu 40% auf den Bund, zu 60% auf die Länder verteilt. Der Länderanteil wird von diesen selbst verwaltet, die Zuteilung erfolgt anteilig nach der Anzahl der im jeweiligem Bundesland vergebenen Wunschkennzeichen.

Helmi ist wieder da
Auf Bundesebene wurden seitens des Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds das Österreichische Verkehrssicherheitskonzept 2002 erstellt, eine Gurtenkampagne durchgeführt, „Helmi“ wieder ins Leben gerufen und die Aktion 0,0 Promille for Friends durchgeführt, die sich an Jugendliche richtet, nüchtern zu bleiben, um nach Disco- oder Gasthausbesuchern ihre Freunde sicher nach Hause zu bringen.

Gottfried Reremoser, Land Tirol und Walter Fraz, Land Oberösterreich, stellten beispielhaft die Aktivitäten der Länder im Verkehrssicherheitsbereich vor. In Tirol wurde für 2006 eine Strategie für Verkehrssicherheitsmaßnahmen entwickelt, die im 1. Quartal Alkohol am Steuer, im 2. Quartal Geschwindigkeitsübertretungen, im 3. Quartal wieder Alkohol am Steuer und im 4. Quartal Sicherheit für Kinder, Handys am Steuer und Gurt als Schwerpunktthemen beinhalteten. Die Verkehrssicherheitsmaßnahme des Landes Tirols bauten in Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei auf 2 Säulen auf: Information und Kontrolle. Das Land informierte und arbeitete im Bereich der Bewusstseinsbildung, die Exekutive führte anschließend Kontrollen durch.

Sowohl durch die Informationskampagne als auch durch die Kontrolltätigkeit der Exekutive, die durch ihre zeitlich und geographisch unterschiedliche Überwachungstätigkeit den Eindruck erweckte, immer und überall zu sein, stieg bei der Bevölkerung das Bewusstsein über das eigene Verhalten im Straßenverkehr und die Verhaltensdisziplin der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer deutlich an.
Dadurch konnte erreicht werden, dass im Jahr 2006 gegenüber dem Jahr 2001 die Gurtenanlegequote von 68 auf 95% stieg bzw. die Anzahl der Verkehrstoten von 115 auf 57 zurückging, was einer Verringerung von 50% entspricht.

Verkehrsüberwachung und -erziehung
Auch die Oberösterreichische Verkehrssicherheitsarbeit fußt auf Verkehrsüberwachung und -erziehung. Einen wesentlichen Anteil trägt die Verkehrsüberwachung, die Exekutive muss daher eingebunden sein und an gemeinsamen Aktionen teilnehmen. Im Bereich der Verkehrserziehung trachtet man, dass Kinder nicht für Autofahrer „verkehrstauglich“ gemacht werden, sondern für den Straßenverkehr fit werden. Damit beginnt man schon im Kindergartenalter. Gleichzeitig werden Autofahrer auf die Besonderheiten von kindlichem Verhalten im Straßenverkehr aufmerksam gemacht. Im Jahr 2003 wurden ca. 41% der Förderungsmittel des Landes Oberösterreich, das entspricht in etwa 3,3 Mio. Euro, zur Förderung von baulichen Anlagen im Ortsgebiet, die der Verkehrssicherheit dienen, ausgegeben. Ferner bietet das Land Oberösterreich auch Förderungen für den öffentlichen Verkehr und den Radverkehr an und unterstützt Gemeinden auch planerisch, um Straßen im Siedlungsgebiet verkehrssicher zu bauen. Als ein wesentliches Problem im Ortsgebiet, gerade in 30-er Zonen, erwies sich, dass gerade Bewohnerinnen und Bewohner dieser Siedlungen sich selbst nicht an die Geschwindigkeitsbeschränkungen halten.

Verkehrssicherheitskonzepte auf kommunaler Ebene präsentierte Gerhard Karl, Verkehrsplanung der Stadt Linz, am Beispiel der oberösterreichischen Landeshauptstadt. Im Stadtgebiet ereignen sich per anno per etwa 1.500 Unfälle mit Personenschaden, vor allem bei Kreuzungen und Auffahrunfällen. Die Stadt Linz hat daher 7 Schwerpunktthemen definiert, die gemeinsam mit den betroffenen Stellen und Bevölkerungsgruppen umgesetzt werden. So sind neben der städtischen Verkehrsplanung auch die Exekutive, Seniorenvertreter, die IG-Radfahrer und Autofahrerclubs in die Maßnahmen und deren Umsetzung eingebunden worden. Flächendeckende Tempo 30-Zonen wurden in Form eines Gesamtkonzepts eingeführt, deren Erweiterung wird derzeit geplant. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Anhaltedisziplin vor Zebrastreifen gelegt. Autofahrern muss bewusst gemacht werden, dass Kinder vom Vertrauensgrundsatz der StVO ausgenommen sind. Derzeit erfolgt jeder zweite Schulwegunfall auf einem Zebrastreifen. Die Stadtplanung legt daher auf ein fußgängerfreundliches Schulumfeld zur Schulwegplanung größtes Augenmerk. Neben Autofahrerinnen und -fahrern und Kindern als Zielgruppe der Verkehrssicherheit werden Senioren angesprochen. Diese sind häufiger als andere Bevölkerungsgruppen als Fußgänger unterwegs und tragen somit ein höheres Unfallrisiko. Um deren Interessen Rechnung zu tragen, werden Verkehrsplanungen auch im Einvernehmen mit Seniorenvertretern durchgeführt.

Engagement der Kommunen entscheidend
Wolfgang J. Berger, Institut für Verkehrswesen, Universität für Bodenkultur Wien, hob hervor, dass zur Erreichung des österreichischen Verkehrssicherheitsziels die Mitarbeit der Städte und Gemeinden unbedingt erforderlich ist. Für den neuen Leitfaden „Verkehrssicherheit in österreichischen Städten und Gemeinden“, der von seinem Institut im Auftrag des Österreichischen Städtebundes im Jahr 2002 erstellt und nunmehr aktualisiert wurde, wurden die Daten auf den Stand des Jahres 2005 gebracht. 17% der bei Unfällen Getöteten sterben auf Gemeindestraßen, davon sind 60% „schwache“ Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer. Eine Zunahme der Anzahl der Getöteten im Ortsgebiet erfolgte ausschließlich auf Gemeindestraßen, auf Landes- und Bundesstraßen war im Vergleichszeitraum ein Rückgang bemerkbar. Je größer die Stadt, desto höher ist auch der Anteil an Unfällen mit Personenschaden.

Dass man gar nichts trinken muss, um trotzdem wie betrunken zu fahren, erläuterte anschaulich Manfred Waltl, Innovative Gesundheit, Graz: Ein Schlafentzug von 17 Stunden entspricht einem Alkoholpegel von 0,5 Promille, ein Schlafentzug von 24 Stunden wirkt wie 1 Promille. Aus diesem Grunde wird bereits von der Judikatur „Müdigkeit am Steuer“ mit „Alkohol am Steuer“ gleichgesetzt, da die Folgen die selben sind. So steigt das Unfallrisiko bei Schlafstörungen um das 6-fache, kombiniert mit Alkoholgenuss um das 11-fache.

Großes Problem: Übermüdung
Gefährdung des Straßenverkehrs durch Übermüdung der Fahrer findet nicht nur auf Autobahnen, sondern auch im städtischen Bereich statt. Hier handelt es sich jedoch um den nach einem Arbeitstag mit anschließender Freizeitgestaltung heimkehrenden Autofahrer, der gedanklich bereits zu Hause im Fernsehsessel sitzt und die Gegend ohnedies wie seine Westentasche kennt: Die Aufmerksamkeit sinkt rapide, die Unfallhäufigkeit steigt.

Hauptproblem an der Müdigkeit ist, dass sie nicht kontrollierbar ist. Das einzige Gegenmittel ist ausreichender Schlaf, alle andern Maßnahmen wie laut singen, Fenster aufkurbeln, Radio auf größte Lautstärke stellen etc. sind nur untaugliche Selbsttäuschungsaktionen. Typische Übermüdungs-Unfälle laut Robert Hagen, Land Oberösterreich, solche an langen geraden und trockene Straßen mit technisch modernen Autos, die sich dennoch um abseits stehende Bäumen wickeln, an. Da das subjektive Wachsamkeitsgefühl den Fahrer über den tatsächlichen Müdigkeitszustand täuscht, werden Kooperationen mit Dienstgebern angestrebt. So kann durch den Pupillomaten festgestellt werden, ob Angestellte nach einem Schichtdienst noch mit dem KFZ nach Hause fahren dürfen oder besser den öffentlichen Verkehr verwenden.

Die Vortragsunterlagen finden Sie unter "Downloads"!

Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Reremoser714 kB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Pupillomat1,71 MB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Breyer - ÖVerkehrssicherheitsfonds238 kB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Franz709 kB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Karl314 kB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Breyer - UN Road Safety Week84 kB
Verkehrssicherheitstagung - Vortrag Berger841 kB

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