Sicht des Städtebundes
zu den Ergebnissen des ÖROK-Flächenmonitorings 2025
ÖROK-Monitoring Flächeninanspruchnahme und Versiegelung - erster Monitoringzyklus abgeschlossen
Seit Anfang Dezember 2025 liegen nach der Veröffentlichung der „Baseline 2022“ erstmals Zahlen zum ÖROK-Flächenmonitoring vor, die einen Rückschluss auf Veränderungen der Flächeninanspruchnahme in den letzten drei Jahren ermöglichen.
Einordnung der ÖROK-Daten aus städtischer Sicht
Aufgrund unterschiedlicher Methoden (Berechnungsmethoden, unterschiedliche Datensätze,…) sind die Daten verschiedener Verwaltungseinheiten in Österreich (noch) nicht 1:1 vergleichbar. Die Daten auf Landesebene können zB gravierend von den eigenen Daten der Städte abweichen. Von einem Vergleich dieser Daten untereinander ist daher einerseits dringend abzuraten. Andererseits sind auch die Daten des ÖROK-Flächenmonitorings zwar die bestmöglichen Ergebnisse für die Auswertung auf gesamtstaatlicher Ebene – jedoch liegen auf kommunaler Ebene lokale und damit detailliertere Informationen vor.
Gerade beim ÖROK-Flächenmonitoring liegen die Daten zudem erstmalig für den 3jährigen Monitoringzyklus vor und es wurden im Vergleich zur Veröffentlichung 2023 bereits Neuerungen z.B. aufgrund geänderter oder besserer Datengrundlagen durchgeführt. Dies ist auch für die nunmehr vorliegenden Zahlen zu erwarten, die städtebundintern weiter geprüft werden.
Bei der Analyse der städtischen Ergebnisse ist außerdem zu bedenken, dass alle Grünflächen innerhalb von Siedlungen – sogar notwendige Grünflächen wie große Parks und Stadtwälder - unter die Definition „Flächeninanspruchnahme“ fallen.
Die Hauptergebnisse des ÖROK-Flächenmonitorings sind dennoch ein gutes Barometer für die Entwicklung auf nationaler und regionaler Ebene und ein vom Städtebund in dieser Hinsicht mitgetragenes Instrument zur Feststellung der Fortschritte bei Flächeninanspruchnahme und Versiegelung.
Das ÖROK-Flächenmonitoring ist zurecht eine europaweit beachtete moderne Methode Flächeninanspruchnahme und Versiegelung zu messen.
Situation der Städte und Gemeinden
Die Diskussion um den Bodenverbrauch in Städten und Gemeinden stößt auf bereits „offene Ohren“. „Innen vor außen“, Baulandmobilisierung, Leerstandsabgaben, Re-Use von Brachflächen und Entsiegelung sind vielerorts gelebte Praxis – auch auf Druck der Bevölkerung, die sich zunehmend in die Gestaltung ihres Lebensumfelds einbringt.
Dass die Ressource Boden endlich ist, ist gerade den Städten sehr bewusst: Pro Kopf wird in den Städten am allerwenigsten Fläche in Anspruch genommen – obwohl aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen als Arbeits-, Bildungs- und Gesundheitszentren sowie Einkaufsstandorte zusätzliche Fläche für die „Tages-Bevölkerung“ im Einzugsbereich bereitgestellt wird. Dazu kommen notwendige Infrastrukturflächen, wobei gerade hier die relevanten Entscheidungen oft auf Bundes- bzw. Landesebene gefällt werden, sich aber im Stadtgebiet manifestieren.
Städte und Gemeinden stehen zudem vor schwierigen Rahmenbedingungen: In den wachsenden Stadtregionen ist gerade der Immobilienmarkt herausfordernd. Dem stehen wiederum ein steigender Bedarf an leistbarem beziehungsweise gefördertem Wohnbau gegenüber aber auch die Notwendigkeit für mehr „Grün in der Stadt“. Zudem erschwert ein starres Eigentumsrecht bei Immobilien eine Mobilisierung von Bauland oder Altbestand durch die Gemeinden.
Maßnahmen in Städten und Gemeinden
- Deshalb setzen Städte und Gemeinden beim Bodensparen auf vielfältige Maßnahmen (vgl. Liste bzw. https://www.staedtebund.gv.at/themen/raumordnung-und-stadtplanung/gute-beispiele/):
- Schutz von Grünland wie zum Beispiel in Salzburg die Grünlanddeklaration oder der Wiener Grüngürtel mit dem Schutz des Wiener Waldes seit 1905
- (Stadt-) entwicklungskonzepte vor dem Ziel des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden: Innenentwicklung, Nachverdichtung, Nutzungsmischung, Größenbeschränkung von Grundstücken
- Energieraumplanung führt zu noch effizienteren Siedlungsstrukturen
- Stadt-Umland-Kooperationen mit gemeinsamen flächensparenden Projekten (Wirtschaftsparks, Grünraumsicherung)
- Teilnahme an Förderprogrammen, die auch Aspekte des Bodensparens innehaben: Klimabündnis, Klimapionierstädte, Klima- und Energie-Modellregionen (KEM) und Klimawandel-Anpassungsmodellregionen (Klar)
Zur Reduktion der Versiegelung waren die Städte ebenfalls aktiv: - Grünflächenzahl in Salzburg bzw. Grünflächenfaktor in Graz wurden eingeführt, um auch privaten Akteuren die Schaffung von Grünflächen und -elementen vorzuschreiben
- Entsiegelungsprojekte: Umgestaltung des Nibelungen-Platzes in Tulln mit mehr Grünraum und Bäumen und einem gut nutzbaren öffentlichen Raum; der Schlossplatz in Bad Vöslau wurde klimafit gestaltet; der Johannesplatz in Laxenburg wurde entsiegelt, Rasensteine eingelegt und Versickerungsanlagen eingebaut sowie neue Bäume gepflanzt; beim Volksgarten-Projekt in Wels werden 40.000 m2 entsiegelt und 500 Bäume gepflanzt
- Baumoffensiven und Schwammstadt-Prinzip wie bei der „Baumoffensive“ in Linz (Neustadtviertel, Wiener Straße) und Villach (Grüne Achse durch die Innenstadt)
Die Überprüfung der Umsetzung war bisher eine große, personalintensive Herausforderung. Dies könnte zukünftig durch die Möglichkeiten hochmoderner Messgeräte und digitaler Analysetools der Stadtvermessungsabteilungen erleichtert werden: - So hilft das Adress-, Gebäude- und Wohnungsregister (AGWR) Leerstände besser festzustellen
- 3-D-Stadtmodelle, terrestrische Scanner und Drohnen werden bei Stadtplanung und -vermessung verwendet.
Das ÖROK-Flächenmonitoring ist eine europaweit beachtete moderne Methode Flächeninanspruchnahme und Versiegelung zu messen, zu der sich der Österreichische Städtebund als Mitglied der ÖROK bekennt. Der völlig neue Ansatz ist aber auch vor dem Hintergrund zu betrachten, dass er sich in einer ersten Phase befindet und sich zum Beispiel durch oben genannte technologische Fortschritte stetig verfeinert und entwickelt. Die Ergebnisse des ÖROK-Flächenmonitorings 2025 belegen eine Abnahme der durchschnittlichen täglichen Flächeninanspruchnahme in Österreich.
Für eine noch effektivere Reduktion des Bodenverbrauchs ebenso wie zur Verringerung der Versiegelung brauchen die Städte bessere Werkzeuge, zB um Baulandreserven zu mobilisieren. Dazu zählt auch die geforderte Reform der Grundsteuer. Darüber hinaus sind in allen Bundesländern die Voraussetzungen für die Einführung einer/s Grünflächenzahl/-faktors für private Grundstücke sowie ein Baumschutzgesetz zu schaffen. Auch sollte auf Bundesebene eine höhere Aufmerksamkeit auf die Register gelegt werden, insbesondere auf das AGWR als wesentliches Tool zur Leerstandsfeststellung.
Näheres zu Methode und Ergebnissen unter: https://www.oerok.gv.at/monitoring-flaecheninanspruchnahme