Zusammenfassung der Ergebnisse

719 Gemeindepartnerschaften und -kooperationen von 487 Gemeinden

Hauptergebnis ist, dass eine relativ hohe Zahl von 487 Gemeinden, das sind 21 % aller Gemeinden Österreichs, insgesamt 719 formelle Gemeindepartnerschaften bzw. Kooperationen unterhalten. Die Zahl ist deshalb als hoch zu betrachten, weil die österreichischen Gemeinden im Durchschnitt nur 3.500 Einwohner aufweisen und ein enger Zusammenhang zwischen Gemeindegröße und der Existenz von internationaler Zusammenarbeit besteht. Während von den Gemeinden bis zu 2.000 Einwohnern nur 13 % eine Partnerschaft im weiteren Sinn haben, sind es bei Gemeinden mit über 5.000 Einwohnern bereits 52 % und bei Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern sogar 83 %.

Jährlich 18 neue Partnerschaften

Erstaunlich ist weiters, dass ständig beachtlich viele neue Partnerschaften dazu kommen. Die große Welle der Nachkriegszeit ist zwar verebbt, doch wurden in den letzten eineinhalb Jahrzehnten jährlich durchschnittlich 18 Partnerschaften bzw. Kooperationen neu geschlossen.

Neben formellen Partnerschaften auch lockere Kooperationen

Neue Signale setzen die Gemeinden jedenfalls hinsichtlich der Form der Partnerschaften und Kooperationen. Die Bindung durch eine formelle Partnerschaft mit Beschluss der jeweiligen Gemeinderäte und unter Einbeziehung breiter Kreise der Bevölkerung - wie dies früher fast ausschließlich der Fall war -, wird als zu starr angesehen. Vielfach wurde auch von großen Teilen der Bevölkerung der "Partnerschaftstourismus" ohne erkennbaren Effekt auf das sonstige kommunale Leben kritisiert. Bereits in 109 Fällen wurden daher nur mehr informelle und zum Teil sachlich gezielte Kooperationen eingegangen.

Initiatoren von Partnerschaften

Aufschlussreich sind auch die Angaben, von welcher Seite die Anregung für das Eingehen von Partnerschaften kommt. Die Initiatoren sind zu 69 % Politiker (Doppelnennungen möglich), in 40 % der Fälle Vereine bzw. in 27 % der Partnerschaften einzelne Gemeindebürger.

Intensität der Beziehungen

In jenen 280 Gemeinden, die die Fragebogen retournierten und die offensichtlich besonders intensiv die Partnerschaften betreuen, finden durchschnittlich 2 bis 5 Aktivitäten pro Jahr statt.

Durchschnittlich wenden Politiker mit "gelebten" Partnerschaften jährlich 6 Tage für die Partnerschaftsarbeit auf, die Verwaltung sogar 12 Tage, womit deutlich wird, wie notwendig ein entsprechender administrativer Rückhalt ist, um eine Partnerschaft erfolgreich führen zu können. Dabei kann dieser Arbeitseinsatz nur deshalb so niedrig liegen, weil Vereine bzw. Einzelpersonen die Partnerschaftsarbeit stark mittragen.

Finanzierung

Gemeindepartnerschaften sind erstaunlich kostengünstig. 82 % der Gemeinden geben jährlich unter 100.000 Schilling dafür aus. In 46 % der Fälle trägt die Gemeinde die gesamten Kosten für Partnerschaftsveranstaltungen, womit ihre tragende Rolle erkennbar wird, in 34 % noch bis zu 50 % und in immerhin 20 % der Fälle werden die Kosten zur Gänze durch Zuschüsse von privater Seite getragen. Erstaunlich, wie hoch der Bekanntheitsgrad der EU-Förderungen ist, wie wenig aber auch darauf zurückgegriffen wird. 64 % der Gemeinden hatten bereits 2 Jahre nach dem EU-Beitritt Österreichs Kenntnis von den Förderungsmöglichkeiten durch die Europäische Union, aber nur 5 % hatten davon Gebrauch gemacht.

Neben Kultur und Sport zunehmend kommunalpolitische Schwerpunkte und Schüleraustausch

Gemeindepartnerschaften realisieren sich nach wie vor überwiegend im Bereich von Fest- und Kulturveranstaltungen (76 % bzw. 71 %), gefolgt von Sportereignissen mit 54 %. Ein neuer Trend der internationalen Gemeindezusammenarbeit macht sich jedoch bereits insofern bemerkbar, als in 52 % der Fälle kommunalpolitischer Erfahrungsaustausch angegeben wird und in 45 % der Gemeinden auch Schüler- bzw. sonstige Austauschprogramme eingerichtet wurden.

Schlussfolgerungen für die Zukunft der Partnerschaftsarbeit

Hinsichtlich des Wunsches nach neuen Partnerschaften haben 12 % der Gemeinden, die internationale Zusammenarbeit pflegen oder Kooperationen eingegangen sind, Interesse an weiteren Partnerschaften angegeben, wobei das geographische Schwergewicht mit 33 Meldungen im Bereich der Europäischen Union liegt. Demgegenüber sind es nur jeweils ein halbes Dutzend Gemeinden, die neue Partnerschaften weltweit bzw. in den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas suchen.

Neue inhaltliche Schwerpunkte

Die Akzente, die die Städte in Zukunft bei ihren Partnerschaften setzen wollen, deuten in einigen Punkten auf neue Aufgabenfelder hin. Mögliche Vertiefungsbereiche sind neben Kulturveranstaltungen, die mit 58 % Spitzenreiter sind, Themen wie Tourismus mit 56 %, Sport mit 43 %, Wirtschaft mit 29 % sowie Umwelt und Bildung mit jeweils rund 20 %.

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